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ADHS: Wie Eltern ihr Kind jetzt unterstützen können!

ADHS - ADHS: Wie Eltern ihr Kind jetzt unterstützen können!

Hast du den Verdacht, dein Kind könnte eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben? Bald steht die Testung an und du machst dir Gedanken? Wir räumen mit allen Missverständnissen um ADHS auf und erklären dir, was du jetzt tun kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine Entwicklungsstörung, die sich erstmalig im Kindes- und Jugendalter zeigt.
  • Die Hauptmerkmale sind ein starker Bewegungsdrang, eine eingeschränkte Aufmerksamkeit und impulsives Verhalten.
  • Eltern sollten Verständnis für die Bedürfnisse ihres Kindes aufbringen und es stärken.
  • Einige Menschen bekommen erst im Erwachsenenalter die Diagnose einer ADHS. Meistens ist das ein Phänomen bei erwachsenen Frauen, die als Kinder ihre Bedürfnisse unterdrückt haben.

Was ist ADHS?

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (kurz: ADHS) ist eine Entwicklungsstörung, die sich meist im Kindes- und Jugendalter erstmalig zeigt. Etwa 2 bis 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind davon betroffen, Jungen häufiger als Mädchen.

Die 3 Hauptmerkmale für eine ADHS sind:

  • ein starker Bewegungsdrang (Hyperaktivität/hyperkinetische Störung)
  • eine eingeschränkte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
  • impulsive Handlungen (unüberlegtes, spontanes Verhalten)

Jedes der drei Hauptmerkmale ist vom Einzellfall abhängig unterschiedlich ausgeprägt. Wenn eine ADHS ohne Hyperaktivität (Bewegungsdrang) auftritt, ist es ein ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom), wobei ADHS hier als Überbegriff genutzt wird.

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Wie sehen ADHS Symptome bei Kindern aus?

  • Das Kind hat Probleme, sich langfristig auf eine Handlung oder ein Spiel zu konzentrieren. Schon geringste Geräusche lenken es ab.
  • Das Kind hat einen übersteigerten Bewegungsdrang, der sich auch über Zuckungen und Tics zeigen kann (hyperkinetische Störungen). Zudem fühlt es eine innere Unruhe.
  • Es verliert und zerstreut oft Dinge. Ordnung zu behalten, fällt dem Kind schwer.
  • Starke Reize und Gefühle überfordern es. Dadurch reagiert das Kind unter Umständen aggressiv.
  • Die Beziehungen in Familie, Kita und Freizeit sind teilweise belastet, wenn die Bezugspersonen Schwierigkeiten haben, bestimmte Verhaltensweisen (wie etwa hyperaktive Bewegungen) zu verstehen.

Wie sieht ADHS bei Erwachsenen aus?

Im Erwachsenenalter suchen manche Menschen häufig von selbst eine Arztpraxis auf, wenn bestimmte Anzeichen zu belastend werden und sie nach Ursachen suchen. Nicht selten geht diese Ungewissheit mit einer Depression einher. Häufig blieb die Entwicklungsstörung in der Kindheit unerkannt, weil die Ausprägung der Symptome nicht auffällig war oder sie unterdrückt wurden.

Im Erwachsenenalter sehen ADHS Symptome etwa so aus:

  • Die Konzentration auf eine Tätigkeit fällt schwer und „schwimmt“ bei kleinster Ablenkung auf andere Dinge über.
  • Betroffene Erwachsene haben häufig das Gefühl, weniger leistungsfähig zu sein als ihre Mitmenschen.
  • Sie können sich wichtige Informationen in Gesprächen nicht merken und vergessen diese wieder, auch nach mehrmaligem Nachfragen.
  • Viele Betroffene leiden unter Selbstzweifeln in Verbindung mit starken Stimmungs- und Gefühlsschwankungen.

ADHS bei erwachsenen Frauen

Wenn man als Frau durch die eigene Erziehung und gesellschaftliche Prägung schon in der Kindheit gelernt hat, eigene Bedürfnisse zu unterdrücken, kann eine ADHS auch ein Leben lang unerkannt bleiben. Nicht selten haben Betroffene als junge Mädchen gehört, sie müssen sich „einfach besser konzentrieren“, „etwas mehr anstrengen“ oder „endlich mal beruhigen.“ Dadurch wurden die Unaufmerksamkeit, die Impulsivität und die hyperaktiven Bewegungen kleingeredet, sodass die betroffenen Mädchen sich angepasst haben.

Das Fatale daran? Kein Mensch sollte etwa einen übersteigerten Bewegungsdrang unterdrücken müssen, weil sich dieser von der Mehrheit der Gesellschaft oder vom angelernten Geschlechterbild unterscheidet. Die gesellschaftliche Abwertung von ADHS-Symptomen erhöht den Leidensdruck von Frauen mit ADHS zusätzlich, weshalb sie laut Studien ein höheres Suizidrisiko haben, als betroffene Jungen und Männer. Auch psychische Begleitkrankheiten sind bei Mädchen und Frauen mit ADHS deutlich verstärkt. Ein Umdenken und Zuhören von Betroffenen ist also dringend notwendig! Eine umfangreiche Aufklärung des Krankheitsbildes ist hier der Schlüssel. Frühzeitige Hilfsangebote (wie Kinder- und Jugendpsychotherapie) können die psychischen Belastungen betroffener Mädchen zusätzlich verringern.

Hast du das Gefühl, du könntest auch ADHS haben?

Du leidest seit Jahren unter ähnlichen Symptomen, die du nie einordnen konntest? Hole dir ärztlichen Rat ein und lass dich zu psychotherapeutischen Fachstellen für eine Testung überweisen. Eine Diagnose schafft häufig Klarheit, seine Bedürfnisse besser einzuordnen und damit umgehen zu können.

Die Diagnose von ADHS bei Kindern

Wann kann ich mein Kind testen lassen?

Wenn die Symptome länger als 6 Monate anhalten und dein Kind schon 3 Jahre alt ist, kannst du mit ihm zur Kinderarztpraxis, um den Zustand abklären zu lassen. Erst dann ist eine Diagnose verlässlich, denn die Symptome können auch entwicklungsbedingt auftreten. 

Was wird in der Kinderarztpraxis gemacht?

Die Ärztin/der Arzt wird dich zur Entwicklung des Kindes befragen und es ausgiebig untersuchen. Nur so können organische Ursachen oder andere Erkrankungen (wie Schilddrüsenprobleme), Auffälligkeiten (Entwicklungsverzögerung) oder Störungen der Leistung (Beispiel: Legasthenie) ausgeschlossen werden. Dann werdet ihr zur weiteren Testung vermutlich zu speziellen Fachstellen überwiesen. Das sind meist:

  • psychotherapeutische und psychiatrische Praxen
  • heilpädagogische Praxen oder Zentren 
  • sozialpädiatrische Zentren (SPZ)
  • pädagogische Praxen oder Frühförderstellen

In der Fachstelle wird dein Kind verschiedenste Tests zu Aufmerksamkeit, Konzentration, Bewegung und emotionalem Verhalten machen. Du als Elternteil wirst weitere Entwicklungs-Fragebögen ausfüllen oder befragt. Daraufhin wird eine Diagnose gestellt.

Die Ursache von ADHS

Die Entstehung von ADHS ist umstritten. Es wird eine Kombination aus verschiedenen Faktoren vermutet: Wenn Mutter oder Vater ADHS haben, ist das Risiko erhöht, dass auch das Kind betroffen ist. Natürlich spielen auch die individuellen Umwelteinflüsse eine Rolle. Erwiesen ist, dass das Gehirn bei ADHS in den Bereichen für Aufmerksamkeit und Verhalten auf andere Art strukturiert ist. Obendrein haben Betroffene ein Ungleichgewicht der Botenstoffe Dopamin (Botenstoff des Glücks) und Noradrenalin (reguliert Aufmerksamkeit und Konzentration) im Gehirn. Deswegen wird ADHS häufig mit Medikamenten behandelt, die dieses Gleichgewicht wiederherstellen können.

Die Behandlung und Therapie von ADHS

Psychotherapie bei ADHS

Häufig bekommt das betroffene Kind in entsprechenden Fachstellen eine Psychotherapie (Verhaltenstherapie). Zudem werden die Eltern in regelmäßigen Gesprächen beraten. Die Strategien für den Alltag werden je nach Verlauf ständig angepasst. Alle Lebensbereiche, Bezugspersonen und Interessen des Kindes werden dabei einbezogen. Ergänzend können weitere Therapien, wie Physiotherapie, Heilpädagogik, Ergotherapie und Logopädie bestimmte Einschränkungen wieder aufholen. Zusätzlich zu den Therapien empfehlen wir, dein Kind eine Sportart ausprobieren zu lassen, die ihm so richtig gefällt. Im besten Falle findet das Sportangebot mehrmals pro Woche statt.

Wichtig: Da Therapieplätze rar gesät sind und eine lange Vorlaufzeit haben, solltest du dich nach der Diagnose des Kindes direkt informieren und frühzeitig Ersttermine ausmachen. Obendrein brauchst du vermutlich eine Menge Geduld und Durchhaltevermögen.

Medikamente bei ADHS

Je nach Ausprägung der Symptomatik wird auch eine ergänzende Behandlung mit Tabletten empfohlen. Bekannt sind hier etwa Medikamente mit dem Wirkstoff Atomoxetin (Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) und das Medikament Ritalin (Wirkstoff: Methylphenidat). Sie wirken auf die Hyperaktivität, die Impulsivität und die Aufmerksamkeitsstörungen der Patienten ein. Bei regelmäßiger Einnahme können sich die Patienten meist besser konzentrieren und haben mehr innere Ruhe.

Hinweis: Im Einzelfall können Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat zu einer Wesensveränderung beim Kind führen. Das ist davon abhängig, wie der Körper auf das Medikament reagiert. Wenn du erste Anzeichen wahrnimmst, lasse dich ärztlich beraten. Eventuell braucht es ein anderes Medikament, eine andere Dosierung oder es muss ganz abgesetzt werden. Beziehe auch dein Kind mit ein und frage es, wie es ihm damit geht.

Ernährung bei ADHS

Der Darm gilt als Organ für psychisches und physisches Wohlbefinden. Eine bewusste Ernährung bei ADHS unterstützt eine gesunde Darmflora. Dadurch können einzelne ADHS-Symptome gelindert werden. Lasse dich vom Fachpersonal beraten und probiere aus, was im Alltag für euch umsetzbar ist. Was wir dir zusätzlich empfehlen können:

  • Achte darauf, dass dein Kind sich ausgewogen ernährt. Verbote sollte es nicht geben, sondern ein gutes Gleichgewicht. Ein Bewusstsein hilft häufig mehr als ein starres Regelwerk.
  • Verwende eher frische und unverarbeitete Lebensmittel. Achte beim Einkaufen also auf viel Obst und Gemüse, sowie vollwertige Kohlehydrat- und Proteinquellen.
  • Der Blick auf die Verpackung von Lebensmitteln hilft, um Zucker und Gluten zu reduzieren.

Wie Eltern ihre Kinder jetzt unterstützen können

Die Symptome von ADHS werden häufig fehlinterpretiert. Betroffene Kinder werden als „Zappelphilipp“ oder „Kinder, die laut und anstrengend sind, weil sie Aufmerksamkeit brauchen“ abgewertet. Diese Annahmen sind nicht nur inhaltlich falsch, sondern auch verletzend. Daher ist es wichtig, dass das Krankheitsbild als das betrachtet wird, was es ist: für Betroffene und ihre Familie ziemlich belastend. Das liegt nicht nur an der Symptomatik, sondern auch daran, dass Kinder mit ADHS andere Bedürfnisse und Verhaltensweisen haben, als die gesellschaftliche Mehrheit.

Die möglichen Folgen?

  • Das Kind fühlt sich, als sei es nicht richtig, wie es ist.
  • Der innere Druck, den Erwartungen zu entsprechen und sich anzupassen, erhöht sich. 
  • Das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen des Kindes verringert sich.

Wir empfehlen dir: Stärke dein Kind so, dass es diese Annahmen über sich selbst niemals entwickelt. Das geht am besten, indem du Verständnis für sein Verhalten und seine Bedürfnisse aufbringst. Dieses Verständnis entwickelst du über Empathie.

Versetze dich einmal in dein Kind …

  • Was glaubst du, wie fühlt es sich an, wenn man ständig abgelenkt wird und viel Kraft aufbringen muss, um eine Handlung zu Ende zu bringen?
  • Wie ist es, wenn man die eigenen Gefühle nicht kontrollieren kann, weil sie sich so stark anfühlen, dass sie einen überrollen?

Vielleicht hilft dir dieses Einfühlungsvermögen dabei, dein Kind im Alltag zu unterstützen und zu stärken.

ADHS und Schule

Ein Kind, welches von ADHS oder auch ADS betroffen ist, hat es in der Schule vermutlich nicht leicht. Je älter es wird, desto stärker wird der schulische Leistungsdruck, sich lange auf etwas konzentrieren zu müssen (etwa bei Klausuren). Das kann zu dauerhafter Überforderung führen. Häufig isoliert das Kind oder der Jugendliche sich dann oder zeigt aggressives Verhalten gegenüber Lehrkräften und Gleichaltrigen.

Was Eltern jetzt machen können:

  • Bringe Verständnis für dein Kind auf und suche das Gespräch mit ihm. Frage es, was es braucht, damit es ihm in der Schule besser geht.
  • Binde die Lehrkräfte mit ein. Haben sie Strategien und Erfahrungen? Vielleicht kannst du auch eine Vertrauenslehrkraft oder die Kinderärztin/den Kinderarzt hinzuziehen.
  • Würde eine Schulbegleiterin/ein Schulbegleiter dem Kind helfen, die täglichen Anforderungen leichter zu bewältigen? Die Beantragung einer Schulbegleitung läuft über das Sozialamt bei dir im Ort (Eingliederungshilfe).
  • Ist die Schulform passend? Braucht das Kind womöglich eine Schule, wo mehr Bewegung und weniger Reize im Alltag möglich sind? Informiere dich auch zu alternativen Schulkonzepten, wie Montessori oder anderen Schulen (wie ADHS-Schule) in freier Trägerschaft. Ziehe die psychologischen Fachkräfte deines Kindes hinzu und lass dich von ihnen beraten.

Was Eltern für sich tun können

Gerade wenn man als Elternteil eher Ruhe im Alltag braucht, kommt man zügig an seine Grenzen, wenn das eigene Kind ADHS hat. Das kann zu dauerhafter Anspannung und Überlastung führen. Deswegen empfehlen wir Eltern von betroffenen Kindern, sich Unterstützung zu holen und dadurch selbst zu entlasten. Diese findest du etwa hier:

  • Erziehungsberatung in Familienberatungsstellen: Falls dich Sorgen im Umgang mit dem Kind quälen, kann eine Erziehungsberatung Abhilfe leisten. Entsprechende Beratungsstellen findest du über Träger in deiner Region wie DRK, AWO oder Caritas. Die Beratung ist in der Regel kostenlos.
  • Mutter-Vater-Kind-Kuren: Um als Familie im Alltag besser zurechtzukommen, hilft manchmal ein Tapetenwechsel und eine Begleitung durch spezialisierte Fachkräfte. Informiere dich bei deiner Kinderarztpraxis zu individuellen Angeboten, wie etwa dieser Eltern-Kind-Kur für Kinder mit ADHS am Arendsee. Achtung: Diese Kuren können in der Regel nur von einem Elternteil begleitet werden. Obendrein bewilligt die Krankenkasse gemeinsame Kuren meist nur, wenn dein Kind noch unter 13 Jahre alt ist. Ist es älter, wird häufig angeraten, dass es die Kur alleine macht.

Hat dir unser Artikel zum Thema ADHS geholfen? Wie ist das bei dir oder deinem Kind? Hinterlasse uns gern einen Kommentar!

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Quellen

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.

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