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HELLP-Syndrom: Symptome, Ursachen und Folgen

Das HELLP-Syndrom ist eine schwere Erkrankungen in der Schwangerschaft. Wird das HELLP-Syndrom nicht erkannt, kann es für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein. Wie sich das HELLP-Syndrom äußert, wodurch es entsteht und welche Folgen es haben kann, darüber klären wir dich im Folgenden auf!

Das Wichtigste in Kürze

  • Das HELLP-Syndrom gehört zur Gruppe der Gestosen (Schwangerschaftsvergiftungen).
  • Es tritt ab der 20. SSW auf.
  • HELLP löst einen rapiden Zerfall der Blutblättchen und hohe Leberwerte aus.
  • Die Hauptsymptome sind: hoher Blutdruck, starke Oberbauchschmerzen, starke Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, gelbe Haut.
  • Das HELLP-Syndrom ist ein medizinscher Notfall. Meistens ist eine schnelle Entbindung notwendig.
  • Um HELLP frühzeitig zu erkennen, sollten alle Vorsorgetermine wahrgenommen und regelmäßig Blutdruck und Urin kontrolliert werden.
  • Unbehandelt kann das HELLP-Syndrom Frühgeburten und schwere Blutungen auslösen. Schlimmstenfalls führt es zum Tod von Mutter und/oder Kind.

HELLP-Syndrom: Was ist das?

Das HELLP-Syndrom gehört zusammen mit der Präeklampsie und der Eklampsie zur Gruppe der Spätgestosen. Gestosen werden umgangssprachlich als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet.

Der Begriff HELLP setzt sich zusammen aus:

  1. H – für „Haemolysis“ (Zerfall von Blutbestandteilen)
  2. EL – für „Elevated Liver Enzymes“ (Erhöhung der Leberwerte)
  3. LP – für „Low Platelet Count“ (Niedrige Thrombozytenzahl).

Das HELLP-Syndrom tritt ab der 20. SSW auf. Manchmal erst kurz vor oder nach der Geburt. Etwa eine von 200 Schwangeren ist betroffen. Die „Vorstufe“ von HELLP ist die Präeklampsie. Rund 10 bis 20% der Frauen mit Präeklampsie entwickeln ein HELLP-Syndrom.

Wird das HELLP-Syndrom nicht erkannt, hat dies schwerwiegende Folgen. Unbehandelt kann es zu einer Schädigung der Leber und Blutgerinnungsstörungen kommen. HELLP kann eine Frühgeburt und schwere (auch innere) Blutungen auslösen. Schlimmstenfalls führt es zum Tod von Mutter und/oder Kind.

Ursachen: Wodurch wird das HELLP-Syndrom hervorgerufen?

Die genaue Ursache ist unbekannt. Als mögliche Auslöser des HELLP-Syndroms werden folgende Faktoren in Betracht gezogen:

  • Hormonelles Ungleichgewicht: Ein gestörtes Verhältnis der körpereigenen Stoffe Thromboxan A und Prostaglandin E könnte HELLP auslösen. Denn: Durch das hormonelle Ungleichgewicht verändert sich die Blutgerinnung.
  • Störung in der Funktion der Plazenta: Derzeit wird erforscht, inwiefern eine Schädigung der Innenseite der Plazenta durch Blutgerinnung als mögliche Ursache für das HELLP-Syndrom infrage kommt.

Risikofaktoren sind:

  • Bestehende Vorerkrankungen: Frauen mit einer bestehenden Nieren-, Hochdruck- oder immunologischen Erkrankung gelten als gefährdet. Auch Diabetes mellitus, Adipositas und eine angeborene Gerinnungsstörung erhöhen das HELLP-Risiko.
  • Alter: Schwangere unter 18 Jahre oder über 40 Jahre gelten als Risikopatientinnen. Sie sind häufiger vom HELLP-Syndrom betroffen.
  • Mehrlingsschwangerschaft: Bei einer Mehrlingsschwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko.
  • Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung: Durch den starken Eingriff in den Hormonhaushalt besteht ein erhöhtes HELLP-Risiko.

Symptome: Wie äußert sich das HELLP-Syndrom?

Die Erkrankung verläuft bei jeder Frau anders. Daher ist es besonders wichtig, die Symptome zu kennen und bereits bei den ersten Anzeichen zu reagieren.

Das HELLP-Syndrom geht meistens mit einem hohen Blutdruck einher. Aber nicht immer. Die Hauptsymptome sind:

  • starke Schmerzen im rechten Oberbauch
  • starke Kopfschmerzen
  • Wassereinlagerungen (im Gesicht oder an den Extremitäten)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Gelbsucht
  • evtl. Durchfall.

Anhand eines Blutbilds lässt sich HELLP gut erkennen. Es geht typischerweise mit einem Abfall des Hämoglobins, einem Anstieg der Leberwerte und einem übermäßigen Zerfall der Thrombozyten einher. Auch mittels Urintest ist HELLP feststellbar. Es befindet sich meist eine erhöhte Menge an Eiweiß im Urin.

Oft treten die Symptome plötzlich und ohne Vorzeichen auf. Das HELLP-Syndrom kann sich in kürzester Zeit voll ausprägen. Wenn du oben genannte Symptome bei dir erkennst, solltest du sofort einen Arzt aufsuchen oder dich direkt ins Krankenhaus fahren lassen.

Ungewisser Verlauf: Weshalb ist das HELLP-Syndrom unkalkulierbar?

Beim HELLP-Syndrom lösen sich die roten Blutkörperchen auf, die für den Sauersstofftransport wichtig sind. Infolgedessen kommt es zur Blutarmut. Die Versorgung der Organe ist gefährdet. Auch die Anzahl der Blutplättchen, die für die Blutgerinnung zuständig sind, fällt ab – manchmal rapide. Das HELLP-Syndrom kann innerhalb von Stunden fortschreiten. Es kann aber auch mehrere Tage gleichbleibend verlaufen. Allein dadurch ist es unkalkulierbar.

Außerdem besteht jederzeit die Gefahr von Komplikationen – für Mutter und Kind. Mögliche Komplikationen sind:

  • Blutungen (auch Hirnblutungen)
  • Lungenödem
  • Nierenfunktionsstörung
  • Nierenfunktionsausfall.

Das HELLP-Syndrom kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden.

Nicht alle Frauen entwickeln ein „komplettes“ HELLP. Die Krankheit kann auch ohne erhöhte Leberwerte oder sonstige Gestosesymptome auftreten. In solchen Fällen ist das HELLP-Syndrom schwer zu erkennen und besonders tückisch.

Therapie: Wie wird das HELLP-Syndrom behandelt?

Das HELLP-Syndrom ist ein medizinscher Notfall. In den meisten Fällen ist eine rasche Entbindung (Notkaiserschnitt) notwendig.

Tritt das HELLP-Syndrom vor der 32. SSW auf, wird – falls möglich – zunächst versucht die Entbindung hinauszuzögern, damit die Lungen des Kindes noch reifen können. Die Schwangere erhält Medikamente, die den Blutdruck und die Blutgerinnung normalisieren sollen. Stabilisieren sich Blutdruck, Leberwerte und Blutgerinnungswerte der Mutter nicht, muss die Geburt erfolgen.

Ausnahme: Das Partielle HELLP-Syndrom

Eine Ausnahme bildet das sogenannte Partielle HELLP-Syndrom, das sich durch (noch) gute Laborwerte kennzeichnet. Bei dieser partiellen Form wird die sogenannte therapeutische Plasmapherese angewendet, um die Geburt hinauszuzögern. Das Blutplasma der werdenden Mutter wird durch Frischplasma ersetzt. Mutter und Kind werden hierbei genau überwacht, damit der richtige Zeitpunkt für eine Kaiserschnittentbindung nicht verpasst wird.

Prognose: Wie stehen die Chancen auf Genesung?

Die Symptome des HELLP-Syndroms verschwinden im Normalfall wenige Tage nach der Geburt. Ehemalige HELLP-Patientinnen berichten gelegentlich von Tinnitus, leichten Lähmungen oder Schwindelattacken. Bei manchen Patientinnen zeigen sich noch längere Zeit Störungen im Kurzzeitgedächtnis. Langzeitfolgen bei der Mutter sind jedoch selten.

Das Kind kann unter Umständen eine angeborene Stoffwechselstörung aufweisen. Ob eine solche Stoffwechselstörung vorliegt, lässt sich durch verschiedene Untersuchungen feststellen (etwa durch die Bestimmung von Acylcarnitinen).

In der Regel – sofern  HELLP nicht unbehandelt blieb – stehen die Chancen auf Genesung jedoch gut.

Wiederholungsrisiko: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit auch bei einer weiteren Schwangerschaft am HELLP-Syndrom zu erkranken?

Der Arbeitsgemeinschaft Gestose-Betroffene zufolge liegt das statistische Wiederholungsrisiko eines HELLP-Syndroms bei 5 bis 19%. Frauen, die in der ersten Schwangerschaft am HELLP-Syndrom erkrankten, sollten sich eiweißreich ernähren und auf eine ausreichende Salzzufuhr achten. Außerdem sollten sie die Nieren untersuchen lassen. Ärzte raten zudem zu immunologischen und gerinnungsphysiologischen Abklärungen.

Fazit

Das HELLP-Syndrom ist eine gefährliche Erkrankung, die behandelt werden muss. Um HELLP frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig alle Vorsorgetermine wahrzunehmen. Blutdruck und Urin sollten regelmäßig kontrolliert werden. Fühlst du dich unwohl, schmerzt dein Bauch oder stellst du fest, dass dein Blutdruck zu hoch ist, lass unbedingt abklären, woher die Beschwerden kommen. In der Schwangerschaft gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig!

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