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Ultraschall in der Schwangerschaft: Nutzen und Risiken

Die meisten werdenden Eltern freuen sich auf die regelmäßigen Ultraschall-Untersuchungen. Endlich dürfen sie ihr Baby sehen. Bei dieser intimen Begegnung spüren viele eine neue tiefe Verbindung zu ihrem Ungeborenen, weil sie jetzt realisieren, dass ihr kleines Wunder real ist. Doch wie sinnvoll ist sind die Untersuchungen eigentlich und gibt es auch Risiken?

Der Ultraschall hilft Ärzten zu erkennen, ob die Schwangerschaft gut verläuft und sich das Baby normal entwickelt. Bei etwa 3% der Untersuchungen zeigen sich Auffälligkeiten, die dann weiter untersucht werden. Neben den Basis-Ultraschalluntersuchungen, können Schwangere außerdem spezielle 3D und 4D Aufnahmen machen und ihr Baby besonders lebensecht sehen. Allerdings nicht mehr lange. Das so genannte Babykino wird es ab 2021 nicht mehr geben.

Was ist eine Ultraschalluntersuchung?

Der Ultraschall, auch Sonografie genannt, macht das Baby in der Gebärmutter sichtbar. Dazu sendet ein Schallkopf auf dem Bauch der Schwangeren Schallwellen in ihren Körper, die von den Gewebeschichten zurückgeworfen werden. Das Ultraschallgerät wandelt diese Echos in ein Bild um. Beim ersten Ultraschall kann auch eine Vaginalsonde verwendet werden.

Wie viele Ultraschalluntersuchungen gibt es in der Schwangerschaft?

Die gesetzliche Regelleistung der Krankenkassen umfasst in der Schwangerschaft drei Basis-Ultraschalluntersuchungen. Sie finden um die 10., die 20. und die 30. Schwangerschaftswoche statt. Darüber hinaus führen viele Ärzte bei der Erstuntersuchung in der Frühschwangerschaft (etwa 6. Woche) einen Ultraschall durch, um die Schwangerschaft zu bestätigen.

Innerhalb der Vorsorgeuntersuchungen geben weitere Tests Aufschluss auf die Gesundheit von Mutter und Baby, wie zum Beispiel regelmäßige Blut- und Urintests, Gewichtskontrollen und der Zuckertest ab der 24. SSW.

1. Ultraschall

Der erste Ultraschall im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge findet zwischen der 9. und 12. Woche statt. Nun können die Eltern bereits den Herzschlag des Embryos hören und vielleicht sogar erste Bewegungen sehen. Dies prüft die Ärztin:

  • Feststellung der Schwangerschaft
  • Feststellung, ob es sich um eine Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft handelt
  • ScheitelSteiß-Länge (SSL)
  • Herzaktivität des Babys
  • Lage des Babys und Bewegungen
    Entwicklung des Gehirns, der Organe und Gliedmaßen

2. Ultraschall

Die zweite große Vorsorgeuntersuchung mit Ultraschall findet zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche statt. Du kannst dich zwischen der Basisuntersuchung und der erweiterten Basisuntersuchung entscheiden. Die erste sieht nur eine Messung deines Babys vor. Bei der erweiterten Untersuchung wird zusätzlich ein Organscreening durchgeführt.

Beide Untersuchungen sind für dich kostenlos. Doch da die Ergebnisse möglicherweise Konsequenzen nach sich ziehen und daher einige Frauen von ihrem Recht auf Nichtwissen Gebrauch machen möchten, ist für die erweiterte Untersuchung dein Einverständnis nötig. Außerdem muss dein Gynäkologe dafür ausgebildet sein. Dies prüft der Arzt:

  • Feststellung der Schwangerschaft
  • Feststellung, ob es sich um eine Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft handelt
  • Herzaktivität des Babys
  • Lage des Babys und Bewegungen
  • Fruchtwassermenge
  • Lage und Funktion der Plazenta
  • Biometrische Daten: Daten wie Kopfumfang, Abstand zwischen den Schläfen, Länge des
  • Oberschenkels, etc…

Beim Organscreening wird geprüft, ob sich bei der körperlichen Entwicklung deines Babys Auffälligkeiten zeigen. Das prüft der Arzt:

  • Gehirn, Gesicht und Kopfform
  • Wirbelsäule
  • Aussehen und Position des Herzens sowie Herzrythmus
  • Bauchwand, Bauchorgane, Nieren, Blase
  • Gliedmaßen

Mit dem erweiterten Screening lassen sich etwa 90 % der Fehlbildungen aufspüren. In Eingen Fällen, zum Beispiel bei Herzfehlern, können Mediziner das Baby noch im Mutterleib behandeln. Oder die Eltern wählen eine Spezialklinik für die Entbindung aus, sodass das Baby direkt nach der Geburt behandelt werden kann.

3. Ultraschall

Zwischen der 29. und 32. SSW findet die dritte und letzte große Vorsorgeuntersuchung statt. Das prüft die Ärztin im Ultraschall:

  • Feststellung der Schwangerschaft
  • Herzaktivität des Babys
  • Lage des Babys und Bewegungen
  • Normgerechte Entwicklung des Babys
  • Fruchtwassermenge
  • Lage und Funktion der Plazenta
  • Biometrische Daten: Daten wie Kopfumfang, Abstand zwischen den Schläfen, Länge des Oberschenkels, etc…

Neben dem Ultraschall geben weitere Untersuchungen Aufschluss über die Gesundheit von Mutter und Baby.

Babykino bald verboten

Auch das so genannte Babykino ist bei Schwangeren beliebt. In 3D oder 4D können die Eltern dabei ihre Babys ganz lebensecht betrachten und sich einzigartige Fotos mit nach Hause nehmen. Spezialisierte Praxen bieten sogar unterschiedliche Fotoprodukte und Drucke an. Doch nicht mehr lange. Ab 2021 sind Ultraschall-Untersuchungen verboten, die nicht medizinisch notwendig sind. Das schließt auch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) ohne medizinische Begründung ein.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit folgt damit einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission. Zwar wurden bislang keine schädlichen Einflüsse von Ultraschallwellen an Ungeborene nachgewiesen, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die immer stärker werdenden Strahlen irgendwann zur Belastung werden.

Uneinigkeit über die Gefahren von Ultraschall

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) widerspricht dieser Annahme. Bislang gäbe es keine Studienergebnisse, die eine Belastung für das ungeborene Kind nachwiesen. Der Verein Hebammen für Deutschland kommt zu einem anderen Schluss: „Der Grund für das Verbot sei, dass Ultraschallwellen auf das Ungeborene nicht unerhebliche biophysikalische Auswirkungen haben, deren Folgen insbesondere für die Hirnentwicklung trotz eindrucksvoller Datenlage unterschätzt werden.“ heißt es hier.

Maß halten in der Medizintechnik

Im gleichen Zuge wurde auch der übermäßige Gebrauch des CTG gesetzlich eingeschränkt. Auch hier ist inzwischen klar geworden: Viel hilft nicht immer auch viel. “Routinemäßig wird derzeit bei über 90% der Schwangeren ein CTG geschrieben, wobei die Anfertigung des CTG im Niedrigrisikokollektiv zu keiner Verbesserung der perinatalen Daten führt.” schreibt dazu die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Zu oft führen fälschlicherweise als pathologisch eingestufte Ergebnisse zu Interventionen, die nicht notwendig wären.

Ein bisschen das an die Geschichte des Röntgens. Bis bekannt wurde, wie schädlich Röntgenstrahlung sein kann, wurde die Strahlentherapie in der Medizin recht unbedarft angewendet. Und nicht nur dort. Bis in die Siebziger Jahre konnten Kunden in Schuhgeschäften mit Röntgenstrahlen ihre Füße durchleuchten. Besonders Kinder waren fasziniert vom so genannten Pedoskop. Wie viele Krebserkrankungen ursächlich darauf zurückzuführen sind, kann zwar nicht nachvollzogen werden. Jedoch weiß man heute sicher, dass eine hohe Strahlenbelastung das Krebsrisiko erhöht, meist erst Jahrzehnte später.

Die Dosis macht das Gift

Nun sind Schallwellen keine Röntgenstrahlen und die Medizinforschung hat sich seit dem rasant weiterentwickelt. Anwendungen wie Ultraschall und CTG retten Leben und können helfen, Schäden zu erkennen und zu behandeln. Doch möglicherweise sollten wir uns auch in der Geburtshilfe häufiger an das Prinzip „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“ erinnern.

Die Grenzen des Ultraschalls

Nicht alle Erkrankungen können mit einem Ultraschall entdeckt werden. So kann es sein, dass die Eltern davon ausgehen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen und nach der Geburt erst eine Schädigung festgestellt wird. Auch kann es sein, dass die Ergebnisse nicht eindeutig sind und die Eltern verunsichern. Gerade, wenn aufgrund der Ergebnisse die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch laut wird, bedeutet das eine enorme Belastung.

Die nächsten Schritte vor der Untersuchung planen

Wenn du dich für den erweiterten Ultraschall oder eine Feindiagnostik entscheidest, solltest du vorher mit deinem Partner besprechen, was mögliche Konsequenzen für euch wären. Was, wenn der Befund auffällig ist und eurem Kind nicht geholfen werden kann? Eine gute Grundlage für eure Überlegungen kann das Beratungsgespräch mit der Ärztin sein. Vor der Durchführung pränataldiagnostischer Untersuchungen (dazu gehört auch der Ultraschall im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge) müssen Ärzte über die genaue Art der Tests, mögliche Risiken und Konsequenzen aufklären. Wenn ihr Fragen zu den Verfahren habt, könnt ihr sie in diesem Gespräch stellen. Deine Praxis kann dir außerdem psychosoziale Beratungsstellen empfehlen, die im Falle eines auffälligen Befundes beraten.

Kann ich auf den Ultraschall verzichten?

Ja! Du kannst sowohl auf alle Ultraschall-Untersuchungen verzichten, als auch auf bestimmte Informationen. So könntest du den Arzt beispielsweise darum bitten, dir nur mitzuteilen, ob dein Kind sich altersgerecht entwickelt und nicht, ob es Fehlbildungen hat. Damit dein Arzt nicht haftbar gemacht wird, bittet er dich, ihn in solchen Fällen von seiner Informationspflicht zu entbinden. Sinnvoll kann dies sein, wenn für dich 100%ig feststeht, dass du eine Schwangerschaft, unabhängig vom Untersuchungsergebnis, in jedem Fall fortführen würdest.

Allerdings gibt es einige Krankheitsbilder, die mit dem Ultraschall entdeckt und durchaus behandelt werden können. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten auch den Ausschlag geben, in einer Spezialklinik zu entbinden, wo dir oder deinem Baby in besonderer Weise geholfen werden kann. Auch wichtige Informationen, beispielsweise über die Lage der Plazenta blieben möglicherweise unentdeckt.

Eine Auswirkung auf die Krankenversicherung oder die deines Kindes hat deine Entscheidung nicht.

Wie viel kostet ein Ultraschall in der Schwangerschaft?

Alle Basisultraschall-Untersuchungen sind gesetzliche Kassenleistung und damit für dich kostenfrei. In einigen Fällen sind auch erweiterte Untersuchungen kostenlos. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst oder wenn bereits Auffälligkeiten festgestellt wurden und dein Arzt weitere Untersuchungen empfiehlt.

Manche Eltern wünschen sich mehr Sicherheit, als ihnen die regulären Untersuchungen bieten können. So wird die Feindiagnostik beispielsweise ab einem Alter von 35 Jahren von der Krankenkasse gezahlt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie ist aber, wenn auch geringer, auch bei einer 34-Jährigen schon erhöht. Sie müsste die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen.

Ultraschalluntersuchungen außerhalb der Schwangerschaftsvorsorge gehören zu den IGeL-Leistungen, deren Nutzen als unklar eingestuft wurde. Die Kosten für einen 3D oder 4D Ultraschall schwanken, je nach Umfang, zwischen 50 und 150 €. Das Erst-Trimester-Screening zum Aufspüren von Trisomien und anderen Erkrankungen kostet zwischen 150 und 250 € zuzüglich Laborkosten.

Übrigens kannst du die Kosten der Untersuchungen sowie auch viele andere Schwangerschaftskosten von der Steuer absetzen.

Fazit

Ultraschalluntersuchungen gehören zu den vielen hervorragenden Errungenschaften der modernen Medizin, die heute das Leben von Frauen und Kindern schützen. Aus diesem Grund werden allen Schwangeren drei umfangreiche Untersuchungen in der Schwangerschaft angeboten. Viele mögliche Schäden können damit erkannt und sogar behandelt werden, einige aber nicht. Wer mehr Sicherheit möchte, kann zusätzliche Angebote in Anspruch nehmen und selbst bezahlen. Ab 2021 wird dies nicht mehr möglich sein, wenn keine medizinische Indikation vorliegt. Ganz sicher scheint man sich offenbar nicht zu sein, dass der übermäßige Gebrauch von Ultraschall dem Ungeborenen nicht schadet.

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