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Schnuller abgewöhnen, aber wie?

Spätestens mit 3 Jahren muss der Schnuller weg, da sind sich die meisten Eltern einig. Aber wie, wenn das Kind daran hängt, wie eine Klette? Wir zeigen Mittel und Wege, wie du den Schnuller auch extremen Schnullerkindern abgewöhnen kannst und ihnen hilfst, sich weiterzuentwickeln. Eine Mama aus der Redaktion erzählt.

Geliebter Schnuller: warum abgewöhnen?

So praktisch der Schnuller auch ist, wenn Kinder häufig oder sogar dauerhaft nuckeln, kann es einige Probleme geben. Diese zeigen sich meist erst ab dem 3. bis 4. Lebensjahr. Dass es zu Zahnfehlstellungen kommen kann, wissen die meisten. Viel wichtiger ist aber, dass sich die Zungenfunktion nicht richtig entwickeln kann, wenn ständig ein Nuckel zwischen Zähnen und Lippen steckt und der Zunge den Platz nimmt.

Was die Zunge so wichtig macht

Liegt die Zunge in Ruhestellung nicht richtig am Gaumen, haben Schnullerkinder Probleme den Mund zu schließen, am Tag und vor allem in der Nacht. Das zieht häufige Infekte der oberen Atemwege (Mittelohrentzündungen!) nach sich und erhöht das Karies-Risiko. Guckt die Zunge ständig zwischen den Zähnen hervor, können die Kinder bestimmte Laute (S, Z, Sch) nicht richtig bilden. Das Schlucken wird erschwert. Sie verschlucken sich häufig oder schlucken zu viel Luft. Nicht zuletzt beeinflusst die verkehrte Lage der Zunge die Kieferentwicklung und sogar die Körperhaltung nachteilig.

Wann man den Schnuller abgewöhnen sollte

Ärzte raten dazu, gleich nach dem ersten Lebensjahr den Schnuller abzugewöhnen. Manchmal ist das praktisch nicht wirklich umsetzbar. Statt kompletter Entwöhnung solltest du auf das richtige Modell achten und den Schnuller sehr dosiert einsetzen. Nämlich vorwiegend zum Einschlafen und in Ausnahmesituationen, in denen es sonst schwerfallen würde, dein Kind anders zu beruhigen.

Spätestens zum Ende des dritten Lebensjahres sollte der Schnuller aber „eigentlich“ weg. Denn danach entstehende Schäden sind manchmal nicht mehr richtig zu korrigieren. Richtig freiwillig würden die meisten Schnullerkinder ihren Nuckel wahrscheinlich erst mit etwa 4 Jahren abgeben. Den geliebten Trostspender einfach wegzunehmen ist aber keine gute Idee. Mit ein paar Tricks und etwas Durchhaltevermögen kannst du es deinem Kind leichter machen, auf den Schnuller zu verzichten. Dass das nicht immer leicht ist, wissen wir aus eigener Erfahrung. Welche Möglichkeiten es gibt und was bei uns funktioniert hat, erfährst du jetzt.

Ideen zum Schnuller abgewöhnen

Am besten ist es immer für die Entwicklung, wenn dein Kind den Schnuller mit einer gewissen Freiwilligkeit abgibt. Während einige wenige Kinder den Schnuller plötzlich nicht mehr wollen, scheinen andere davon meilenweit entfernt. Kein Wunder, schließlich war der Schnuller über Jahre ein zuverlässiger Tröster in schweren Stunden und zuverlässige Einschlafhilfe. Dennoch lässt sich auch für diese Kinder mit etwas Vorlauf und Ausdauer eine Lösung finden.

Rituale, bei denen das Kind bewusst mitwirkt

  • Die Schnullerfee
    Dein Kind legt den Schnuller an einem verabredeten Tag für die Schnullerfee bereit. Diese holt ihn nachts ab und lässt ein Geschenk da. Im Erfahrungsbericht weiter unten gehen wir darauf genauer ein.
  • Der Schnullerbaum
    Bei dieser Idee aus Dänemark darf dein Kind seinen Schnuller selbst an einem bestimmten Baum anbringen, an dem schon viele andere Nuckel an bunten Bändern hängen. So kann es seinen Schnuller besuchen kommen, wenn es Sehnsucht hat. Gleichzeitig sieht es, dass andere Kinder ihren Schnuller auch abgegeben haben. In einigen Orten gibt es regelmäßige Zeremonien, bei denen die Kinder Abschied nehmen können. Bunt geschmückte Schnullerbäume wachsen an immer mehr Orten.
  • Schnuller beim Arzt abgeben
    Dein Kind übergibt den Schnuller einer eingeweihten Person und erhält dafür ein Geschenk. Offiziell bekommen neugeborene Babys oder kranke Kinder das gute Stück. Manche Kinderärzte oder Babystationen bieten diesen Service an. Wenn nicht, einfach nachfragen.
  • Schnuller Neugeborenem einer Freundin schenken
    Alternativ kann dein Kind seinen Nuckel dem Säugling „schenken“, wenn in eurem Freundeskreis ein Baby geboren wird. Dies sollte natürlich nur in Absprache mit der Mutter geschehen. Dein Schatz fühlt sich groß und ist stolz, einem kleineren Kind geholfen zu haben.
  • Kind wirft Nuckel ins Feuer
    Manche Kinder können sich leichter trennen, wenn sie ihren Schnuller selbst ins Feuer werfen können. Das kann ein Lagerfeuer sein oder auch ein Kamin oder Ofen (Vorsicht, giftige Dämpfe!). Wie bei allen anderen Vorschlägen, solltest du dein Kind gut darauf vorbereiten.

Rituale, die nicht ganz fair sind

Neben den Ritualen, die eine gute Portion Freiwilligkeit brauchen und das Kind innerlich wachsen lassen, gibt es auch noch solche, zu denen wir weniger raten würden.

  • Nikolaus, Weihnachtsmann oder Osterhase nehmen den Schnuller mit
    Wenn dein Kind seinen Schnuller an einem Feiertag z.B. dem Weihnachtsmann überlässt, damit er ein Geschenk bringt, scheint das erst einmal freiwillig zu sein. Aber eigentlich ist das nicht so. Denn das Kind glaubt wahrscheinlich, dass es sonst bei den Geschenken als einziges leer ausgehen könnte. So würden wir es nicht wieder machen.
  • Im Urlaub zuhause vergessen
    Manche Eltern schubsen ihre Kinder ins kalte Wasser, indem sie den Schnuller im Urlaub einfach zu Hause lassen oder behaupten, der Hund hätte ihn gefressen. Das mag als Kaltentzug funktionieren, hat aber für die kindliche Entwicklung kaum Vorteile, denn es trifft das Kind völlig unvorbereitet. Kann man machen, muss man aber nicht.
  • Schnuller einstechen
    Manche Ärzte raten dazu, den Schnuller am Saugteil einzustechen. Das Schnullern fällt ohne Luft im Sauger sehr viel schwerer. Manche Kinder spucken den Schnuller entnervt aus, manchen macht es nicht viel und dann wird es ein Problem. Denn schließlich ist ein eingestochener Nuckel sehr unhygienisch, weil Keime viel leichter eindringen können. Mit Freiwilligkeit hat es auch nichts zu tun.
  • Schnuller abschneiden
    Ähnlich wie das Einstechen funktioniert auch diese Methode. Hier schneidet man jeden Tag einen Millimeter mehr vom Saugteil ab, bis das Kind den Schnuller nicht mehr im Mund halten kann. Während die Methode als solche fragwürdig ist, ist sie auch nicht ganz ungefährlich. Denn bei Silikon-Saugern kann es nun leicht zum Abkauen und Verschlucken von Silikon-Stücken kommen. Die Methode ist also, wenn überhaupt, nur für Schnuller aus Latex geeignet.
  • Schnuller schmeckt plötzlich nicht mehr
    Manche Eltern greifen zu harten Maßnahmen, wenn das Kind den Schnuller nicht freiwillig hergeben will. Sie schmieren ihn zum Beispiel mit einer bitteren Lösung ein, die Kinder auch vom Nägelkauen abhalten soll. Wir finden diese Methode fies. Wenn du es aber so machen willst, achte wenigstens darauf, dass das Mittel auch für Kleinkinder geeignet ist und lass dich am besten in der Apotheke beraten.

Wie es bei uns mit dem Schnuller abgewöhnen geklappt hat

… oder wie unser hoffnungsloser Fall doch nicht so hoffnungslos war:

Marie war schon drei Jahre alt und hatte immer noch ihren geliebten Schnuller im Mund. Und das nicht nur zum Einschlafen, sondern auch tagsüber. „Ich will meinen Nuhuuuckel“ war das erste, was sie sagte oder besser jammerte und jaulte, wenn ich sie von der Kita abholte. Je mehr ich mich in der letzten Zeit gedanklich damit befasst hatte, desto mehr nuckelte sie. Als ob sie es ahnte, dass die letzten Schnullerstunden gezählt waren.

Viel Druck hatte ich nicht gemacht. Schließlich war sie ein Kind, was immer etwas mehr Hilfe beim Beruhigen oder Einschlafen gebraucht hatte, als andere Kinder, die ich kannte. Sie hatten zwar laut Osteopathin Probleme mit dem Lippenschluss und mit der Zungenruhestellung. Aber diese würden sich noch beheben lassen. Die Zähne hatten bis auf eine kleine Zahnlücke bisher keinen Schaden genommen.

Deshalb hatte ich den dritten Geburtstag abgewartet, in der irrigen Hoffnung, dass sich mein Kind nach einem plötzlichen Entwicklungssprung doch überreden lassen würde, den Schnuller abzugeben. Schließlich hatte meine Mutter immer erzählt, dass ich selbst den Nuckel mit drei Jahren freiwillig in den Ofen meiner Oma geworfen hatte. Nun ja, davon waren wir irgendwie weit weg. Es half auch nicht, dass besagte Oma ständig nachfragte, ob Marie den Schnuller endlich abgegeben hätte.

Der Osterhase lässt die Löffel hängen

Zu Ostern, etwa einen Monat nach Maries Geburtstag startete ich einen Anlauf. Ein paar Tage vorher fing ich an zu erzählen, dass sie den Schnuller doch dem Osterhasen überlassen könnte. Dieser würde ihr dann ein schönes Geschenk bringen. Sie war interessiert. Immerhin. Der Tag nahte und am Ostermorgen legte sie den Schnuller tatsächlich auf die Terrassentreppe. In einem unbeobachteten Moment schnappte ich ihn mir und versteckte die Geschenke im Garten. Soweit so gut. Dann nahte der Abend.

Nach dem ereignisreichen Tag war sie natürlich müde, und zwar sehr müde. Statt sofort einzuschlafen wie sonst immer, weinte und kreischte Marie, dass sie ihren Nuckel zurück haben wolle. Und zwar jetzt. Das Ganze steigerte sich bis zur Verzweiflung. An Einschlafen war stundenlang nicht zu denken. Das war es mir nicht wert. Also sprach ich mit dem Osterhasen und dieser brachte den Schnuller zurück. Inkonsequent ja, aber vielleicht war die Zeit auch einfach noch nicht reif gewesen. Ich beließ es erst einmal dabei.

Die Schnullerfee schafft das Unfassbare

Ein paar Monate später erzählte mir eine Freundin, deren Tochter sich mit Marie gut verstand, dass sie den Schnuller jetzt dank eines Büchleins von der Schnullerfee loswären. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das auch bei uns so leicht klappen könnte. Immerhin hatten die Kinder gerade von der Krippe in den Kindergartenbereich gewechselt. Aber einen Versuch war es wert. Ich borgte mir das Buch und las es Marie eine Woche lang jeden Abend vor. In der wirklich schön erzählten und hübsch illustrierten Geschichte geht es um eine kleine Fee, die eines Abends einen kleinen Jungen in seinem Kinderzimmer besucht, der den Schnuller eigentlich noch gar nicht abgeben möchte. Als sie ihm aber erzählt, dass sie die Schnuller von größeren Kindern einsammelt und in ihrer Werkstatt zu neuen Schnullern für kleine Babys umbaut, lässt er sich doch darauf ein.

Ich fragte Marie, was sie sich wünschen würde, wenn die Schnullerfee auch zu ihr käme. Zum Glück überlegte sie nicht lange, denn sie wollte ein Einhorn. Schließlich hatten einige ihrer Freundinnen auch eins. Also ging ich im Internet auf die Suche und zeigte ihr verschiedene Kuscheltiere, die für mich in Frage kamen. Sie entschied sich für ein hübsches weißes und ich bestellte es heimlich. Als es ankam, versteckte ich es im Schrank und erzählte ihr jeden Abend, dass die Schnullerfee das Geschenk schon für sie aufbewahren würde. Und wenn sie bereit wäre, würde sie es gleich am nächsten Morgen bekommen. Zusammen bastelten wir eine hübsche Schnullerbox für das Fensterbrett.

Ein paar Tage später war es dann soweit. Marie sagte, dass sie den Schnuller heute Abend abgeben wolle. Sie legte ihn in die Box und ich brachte sie ins Bett. Mit einschlafen war aber nichts. Denn sie war viel zu aufgeregt und schaute immer zum Fenster. Also schlug ich vor, dass sie den Schnuller noch einmal benutzen dürfe und ich ihn, wenn sie eingeschlafen ist, aus ihrem Mund ziehen und in die Box legen würde. Und die Schnullerfee würde erst kommen, wenn sie schon fest schläft, weil sie so viel zu tun hat. Sie nahm den Schnuller, nickte und schlief innerhalb von fünf Minuten ein. Ich versteckte ihn tief in meinem Kleiderschrank und legte das Einhorn neben ihr Kopfkissen.

In der Nacht wachte sie auf und fragte nach ihrem Nuckel und im gleichen Atemzug, ob die Fee schon dagewesen wäre. Ich gab ihr das Einhorn. Jetzt war sie hellwach. So ein Mist. Es dauerte aber nur eine halbe Stunde und sie schlief fest an das wunderschön weiche Einhorn gekuschelt wieder ein. Uff! Am nächsten Morgen war sie ganz euphorisch und wollte ihr neues Kuscheltier unbedingt mit in den Kindergarten nehmen. Dort erzählte sie ihren Erziehern furchtbar stolz, dass die Schnullerfee bei ihr gewesen war.

Wie es nach dem Schnuller abgewöhnen weiterging

Wenn ich behaupten würde, die kommenden Tage wären ein Spaziergang gewesen, wäre das falsch. Tagsüber war es kein Problem. Sobald Marie aber müde wurde, fing sie an zu quengeln und zu weinen: „Ich will meinen Nuckel wiederhaben. Ich war doch noch nicht bereit.“ So verzweifelt wie bei unserem letzten Versuch war sie aber nicht. Ich nahm sie in den Arm und erinnerte sie daran, dass sie jetzt das schöne Einhorn hätte und dass ihr Schnuller jetzt bestimmt schon bei einem kleinen Baby sei und las ihr das Buch noch einmal vor. Sie beruhigte sich, trank aber viel mehr zum Einschlafen als sonst, um ihr Bedürfnis irgendwie anders zu befriedigen. Die Windeln, die sie nachts leider noch brauchte, liefen über. Das Einschlafen dauerte nun statt 5 Minuten mindestens eine halbe Stunde.

Die erste Woche war abends ziemlich anstrengend, die zweite Woche ging schon besser und nach etwa 11 Tagen fragte sie nicht mehr nach ihrem Schnuller und trank auch wieder normal. Das Einschlafen dauerte zwar immer noch länger, aber das war auszuhalten. Marie war innerlich gewachsen und ganz stolz auf sich selbst. Wir hatten es geschafft! Zum Glück hatte ich diesmal durchgehalten. Wenn ich gewusst hätte, mit wie wenig Drama das Ganze auf diese Art klappen würde, ich hätte es schon viel früher versucht. Allerdings wer weiß, vielleicht war die Zeit nun einfach reif gewesen.

Ich hoffe, mein Bericht hilft dem ein oder anderen, es auch durchzuziehen. Alles Gute!

Hast du noch eine Frage oder eigene Erfahrungen zum Thema „Schnuller abgewöhnen“? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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