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Warum ich auf dem Spielplatz auch anderen Kindern sage, wann Schluss ist

Streit auf dem Spielplatz: Warum ich auch anderen Kindern sage, wann Schluss ist

Eine Mutter schrieb uns, weil sie das Gefühl hat, dass sie auf dem Spielplatz die Einzige ist, die mal den Mund aufmacht. Alle anderen Eltern schauen lieber auf ihr Handy oder mecker – wenn überhaupt – mit den eigenen Kindern. Es scheint, ein Tabu zu sein, mit anderen Kindern zu schimpfen.

Als ich mich auf dem Spielplatz eingemischt habe…

Hier ein Beispiel, wie es sich auf dem Spielplatz neulich zugetragen hat:

“Als ich vor ein paar Tagen mit meiner kleinen Tochter (3,5 Jahre) auf dem Spielplatz war, hat ein kleiner Junge ihre Sandtörtchen immer wieder mutwillig zerstört, indem er mit dem Fuß dagegen stieß. Offensichtlich fand er das witzig. Meine Kleine irgendwann nicht mehr. Erst hat sie versucht, ihn davon abzuhalten, indem sie sich vor ihren Sandkuchen setzte. Als das nichts half, sagte sie laut ‘Nein!’. Doch er machte munter weiter.

Ich habe mir das eine Weile angeschaut. Eigentlich hatte ich auch darauf gewartet, dass seine Mutter, die auf der Bank neben mir saß, irgendwann eingreift. Sie sah allerdings nur auf ihr Handy und es passierte nicht. Also bin ich aufgestanden und habe zu dem kleinen Wüterich gesagt:

‘Das ist nicht schön, dass du immer alles mutwillig zerstörst. Stell dir vor, ich würde deine selbstgebauten Sachen immer kaputt machen. Bau dir doch lieber auch einen eigenen Sandkuchen.’

Die Mutter schaute dann doch mal von ihrem Handy auf, sah mich böse an und sagte ‘Komm Henry, wir gehen’.

Ich war etwas baff. Hätte ich mich jetzt etwa nicht einmischen sollen?”

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Eine Situation von vielen. Auf dem Spielplatz kann man wirklich viel erleben. Regelmäßig gibt es Konflikte, die die Kinder meist selbst lösen können. Aber manchmal ist es eben auch angebracht, wenn wir Eltern eingreifen.

Früher war das üblich, da hat ein ganzes Dorf ein Kind erzogen. Das heißt, dass es unterschiedliche Charaktere, Meinungen und Einflüsse kennengelernt hat. Gelernt hat, auf andere Personen Rücksicht zu nehmen. Mama und Papa nehmen das eigene Kind schnell in Schutz. Fremde vielleicht ein bisschen weniger. Doch das ist eigentlich sogar gut. Denn nur so lernt es, dass jeder Mensch andere Grenzen hat und dass die eigene Freiheit dort auch aufhört, wo die Grenzen anderer anfangen.

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Das Eingreifen, auch bei fremden Kindern, ist vor allem dann nötig, wenn das eigene oder andere Kinder:

  • Gefahr laufen, verletzt zu werden
  • es mit handfesten Streitereien zu tun bekommen
  • mit Gewalt auf eine Konfliktsituation reagiert wird
  • nicht auf eindeutige Stoppsignale reagiert

Darf man als Mutter oder Vater auf dem Spielplatz auch anderen Kindern sagen, wann Schluss ist? Hier lautet die Antwort: Ja, man darf! Allerdings kommt es darauf an, wie man die Situation löst. Schließlich geht es immer darum, den Kleinen aufzuzeigen, wie man gewaltfrei eine unschöne Konfliktsituation lösen kann. Sie sollen schließlich dazulernen.

Unser Tipp: Denke Lösungsorientiert! Biete also direkt einen Lösungsvorschlag an oder suche gemeinsam mit den beteiligten Kindern nach einer Lösung suchen.

Grenzen aufzeigen …

… wirkt bei anderen Kindern oftmals noch besser als bei den eigenen. Warum? Weil du dem fremden Kind damit deutlich machst, dass du sein Verhalten als nicht richtig empfindest. Mitunter sind es diese kleinen sachlichen Maßregelungen, die das andere Kind vielleicht noch nie gehört hat. Sie regen selbst die Kleinen zum Nachdenken an. Oder aber ihnen wird bewusst, dass es offensichtlich Regeln gibt, die nicht nur Mama und Papa aufstellen, sondern jeder Erwachsene befolgt. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für ein Kind.

Du kannst das fremde Kind nicht erziehen. Dafür ist die Zeit zu kurz. Das ist auch nicht deine Aufgabe. Aber du kannst in dem kurzen Augenblick deutlich machen, dass du sein Verhalten nicht tolerierst.

Mischst du dich ein und zeigst fremden Kindern die Grenzen auf, kann es vorkommen, dass sich deren Eltern darüber aufregen. Ganz klar: Sie bekommen das Gefühl, dass du ihren Erziehungsstil kritisieren willst. Doch darum geht es am Ende gar nicht. Im Mittelpunkt sollte stets das freundliche Miteinander der Kinder stehen.

Unser Tipp: Sollten sich andere Eltern persönlich durch deine Einmischung angegriffen fühlen, kannst du ihnen eine vergleichbare Situation unter Erwachsenen aufzeigen. Zum Beispiel kannst du sie fragen, wie sie reagieren würden, wenn man ihnen einfach die Trinkflasche aus dem Rucksack nimmt, um seinen Durst zu löschen. Häufig kann man auf diese Weise angespannte Situationen deeskalieren. Die Erfahrung zeigt aber: Meist gibt es keine Konflikte zwischen den Eltern, wenn man sich einmischt.

Wie man es nicht machen sollte…

“Mein Sohn (2 Jahre) hat letztens auf dem Spielplatz die Schaufel von einem anderen Kind genommen. Noch bevor ich ihm in Ruhe erklären konnte, dass man erst fragen muss, kam die Mutter des anderen Kindes und brüllte ihn regelrecht an, er solle sofort die Schaufel zurückgeben. Und zu mir meinte sie dann noch, dass ich mal anfangen sollte, mein Kind richtig zu erziehen. Ich war so baff, dass ich mein Kind genommen habe und wegging.”

In diesem Fall kann sich aus dem zweifelhaften Verhalten der anderen Mutter auch ein Fehlverhalten bei ihrem Kind entwickeln. Denn vermutlich wird dieses fremde Kind niemals lernen, die Konflikte selbst zu lösen. Und das ist auch ein wunderbares Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

Unser Tipp: Während es durchaus sinnvoll ist, wenn du anderen Kindern auf dem Spielplatz sagst, wo die Grenze ist, solltest du dich von anderen Eltern nicht in unnötige Streitgespräche über deinen Erziehungsstil hineinziehen lassen. Ist dein Kind schon etwas älter, erkläre ihm besser auf dem Heimweg oder zu Hause, warum du so reagiert hast. Der Klügere gibt eben auch auf dem Spielplatz nach.

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Fazit

Kinder brauchen Grenzen. Auch auf dem Kinderspielplatz und anderswo. Werden diese von den Eltern nicht aufgezeigt, dann ist es gut, wenn du auf dem Spielplatz auch anderen Kindern sagst, wann Schluss ist. Wichtig dabei ist, dass du das immer altersgerecht, sachlich und ruhig tust. Anschreien, beleidigen oder gar handgreiflich werden ist ein No-Go. Aber gemeinsam mit dem anderen Kind eine Lösung finden, ist wirklich optimal und bringt die Kleinen in der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz ein ganzes Stück weiter.

Hast du solche Situationen auch schon erlebt? Wie hast du reagiert?

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Quellen

Veröffentlicht von Manuela Schneider

Schon als Erzieherin hat Manuela sich der kleinen und großen Dinge angenommen, die Vorschulkinder beschäftigen. Kreativ gestaltete sie für ihre Mäuse den Kindergartenalltag, sodass jeder Tag ein neues Abenteuer bereithielt. Als zweifache Mama hat sie sich diesen kreativen Einfallsreichtum ebenso beibehalten wie ihr besonderes Verständnis für das Gefühlsleben der Kleinen. Manuela sammelte unsagbar viele nützliche und wertvolle Erfahrungen in der Arbeit sowohl mit Kita-Kindern zwischen 3 und 6 Jahren als auch nach der Wende in Freizeiteinrichtungen für 6- bis 18-Jährige wie den Spielstuben, Kinderkreativ-Workshops und Jugendclubs der Stadt Chemnitz. Seit 2013 hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet als freiberufliche Autorin, die gefühlvoll in Worte fasst, was anderen nur auf der Zunge liegt.

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