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Weinen in der Schwangerschaft: Ursachen, Tipps, Auswirkungen auf das Baby

Weinen in der Schwangerschaft
Weinen in der Schwangerschaft

Seit du schwanger bist, kullern dir häufig unvermittelt Tränen über deine Wangen? Weinen in der Schwangerschaft ist eine häufige Begleiterscheinung der Hormonumstellung, die der Körper durchläuft. Besonders im ersten Trimester. Wie du damit umgehen kannst und ob das Weinen Auswirkungen auf dein ungeborenes Kind hat, erfährst du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Frauen weinen in der Schwangerschaft. Emotionale Instabilität ist gerade im ersten Trimester normal.
  • Auslöser sind in erster Linie die Hormone. Auch die Unsicherheit, die die neue Rolle als Schwangere und Mutter mit sich bringt, sowie mögliche Schwangerschaftsbeschwerden können Schwangeren aufs Gemüt schlagen.
  • Das Weinen in der Schwangerschaft schadet dem Baby nicht – solange es nicht zum Dauerzustand wird.
  • Oft lässt das Weinen nach, je weiter die Schwangerschaft voranschreitet.
  • Geht das Weinen mit tiefer Traurigkeit, Freud- und Antriebslosigkeit einher, ist Vorsicht geboten. Dann könnte es sich um eine aufkommende Schwangerschaftsdepression handeln.

Warum muss ich weinen, seit ich schwanger bin?

Manche Frauen weinen aus Freude, andere aus Unsicherheit. Einige weinen aus Überforderung, andere aus Ärger über Kritik oder ungewollte Ratschläge ihrer Mitmenschen. Viele Schwangere weinen auch, ohne die Ursache zu kennen. Ein trauriges Lied, eine emotionale Werbeszene oder der Anblick eines süßen Babystramplers genügen, schon kullern scheinbar grundlos und ohne Vorwarnung die Tränen.

Solche Stimmungsschwankungen gehören in der Schwangerschaft dazu. Gerade in der Frühschwangerschaft reagieren schwangere Frauen sensibel auf äußere Einflüsse. Dein Körper stellt sich in den ersten Wochen auf die Schwangerschaft ein. Die Entwicklung des Embryos zum Fötus schreitet in deinem Bauch rasant voran. Das geht mit einer großen hormonellen Umstellung einher, die auch die Stimmung beeinflusst. Viele Frauen bemerken gerade im ersten Schwangerschaftsdrittel (erstes Trimester) eine emotionale Instabilität an sich, die sie so bisher nicht kannten. Das kann verunsichern. Aber: Es ist vollkommen normal!

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Was steckt hinter den Stimmungsschwankungen und dem Weinen in der Schwangerschaft?

Das Weinen in der Schwangerschaft wird in der Hauptsache durch ein Zusammenspiel aus folgenden Faktoren ausgelöst:

  • Hormone. In der Schwangerschaft produziert der Körper besonders viel Prolaktin. Das Hormon ist für die Bildung der Muttermilch zuständig. Es ist aber auch in Tränenflüssigkeit enthalten. Es wird angenommen, dass Prolaktin gefühlsbetonter macht und somit die Hemmschwelle für Weinen sinkt. Prolaktin wirkt demnach wie eine Art Tränenbeschleuniger.
  • Unsicherheiten und Ängste aufgrund der neuen Lebensumstände. Viele werdende Mütter machen sich Sorgen um die Gesundheit des Ungeborenen, über „negative“ Veränderungen am eigenen Körper oder sie blicken mit ambivalenten Gefühlen in die ungewisse Zukunft als Familie mit Kind. Viele machen sich zudem Gedanken über die Geburt und fürchten sich vor Komplikationen.
  • Schwangerschaftsbeschwerden. Schwangerschaftsbeschwerden wie Müdigkeit, Übelkeit oder Sodbrennen können aufs Gemüt schlagen und Weinkrämpfe auslösen.

Eine explosive Mischung. Oft reicht gerade in der Frühschwangerschaft nur eine weitere Kleinigkeit und die Gefühle brechen sich Bahn.

Wusstest du, dass…

Man unterscheidet zwischen emotionalen Tränen, die durch Gefühle ausgelöst werden, basalen Tränen, die das Auge feucht halten und schützen sowie Tränen, die etwa als Reflex auf Kälte oder Wind auftreten. In diesem Artikel geht es um emotionale Tränen.

Schadet das Weinen in der Schwangerschaft meinem Baby?

Weinen kann positiv und negativ besetzt sein. Wir weinen beispielsweise vor Glück oder um unserem Ärger „Luft“ zu machen. Beides ist mit starken Emotionen verbunden, die Reaktionen im Körper auslösen – bis hin zu Stress. Stress geht mit einer erhöhten Cortisol-Produktion einher. Und das sogenannte Stresshormon kann in der Tat Auswirkungen auf das ungeborene Baby haben. Denn die Sinneswahrnehmung im Mutterleib ist bei Föten bereits stark ausgeprägt. Ihr Gehirn ist schon früh empfänglich für Botenstoffe, die durch die Emotionen der Mutter ausgelöst werden. Diese Botenstoffe gibt die Plazenta über die Nabelschnur an das Kind weiter.

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Aber: Kurzfristig unter Stress zu stehen, ist nicht schädlich. Es wirkt sich nicht auf die Gesundheit des Fötus aus, wenn deine Gefühle gelegentlich Achterbahn fahren. Normales Weinen in der Schwangerschaft stellt keine Gefahr für dein Kind dar. Im Gegenteil. Weinen kann dem Stressabbau dienen.

Weinen kann Gefühlsspannungen lösen

Forscher fanden heraus, dass die Tränenflüssigkeit bei emotionalen Tränen durch einen Nervenreiz im Gehirn freigesetzt wird, um negative Gefühle abzubauen. Denn emotionale Tränen enthalten Stoffe, die Beschwerden lindern und beruhigen können, unter anderem:

  • Leuzin-Enkephalin (soll eine schmerzlindernde Wirkung haben)
  • Lysozyme (das sind antibakterielle Enzyme) und
  • Prolaktin (soll eine beruhigende Wirkung haben).

Weinen soll demnach Gefühlsspannungen lösen können. Außerdem soll es den Körper von Stoffen befreien können, die dieser unter Stress produziert und die in großer Menge krank machen können. Diese Erkenntnisse sind unter Forschern allerdings umstritten. Aber auch, wenn die Wirkung des Weinens wissenschaftlich bisher nicht klar belegt werden konnte und es widersprüchliche Studien gibt, wirkt es in vielen Fällen befreiend – zumindest subjektiv. Hinterher fühlst du dich besser.

Gelegentliches Weinen in der Schwangerschaft hat keine Auswirkungen auf Föten

Abgesehen davon stimmen Pränatal-Psychologen darin überein, dass Babys im Mutterleib sehr im Augenblick leben. Sobald die Mütter fröhlich sind, sind sie es auch. Mögliche negative Emotionen sind vergessen. Du darfst also ruhig auch einmal so wütend oder traurig sein, dass dir Tränen kommen. Das hat keine negativen Folgen – solange der Stress nicht zum Dauerzustand wird.

Wichtig: Weinen kann auch ein Symptom einer Schwangerschaftsdepression sein!

Gelegentliche Weinattacken sind besonders in der Frühschwangerschaft normal. Sollte das Weinen in der Schwangerschaft jedoch mit negativen Emotionen wie Freud- und Antriebslosigkeit sowie einer permanenten Müdigkeit einhergehen, ist Vorsicht geboten. Dann könntest du an einer Schwangerschaftsdepression (medizinisch: Antepartum-Depression, pränatale Depression) erkrankt sein und du solltest deine Frauenärztin aufsuchen. Eine Schwangerschaftsdepression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und sollte immer behandelt werden.

Was kann ich gegen das Weinen in der Schwangerschaft unternehmen?

Zuallererst: Gefühlsausbrüche gehören in der Schwangerschaft dazu. Du musst und solltest dich dafür nicht schämen. Es ist gut, die Gefühle rauszulassen. Es gibt ohnehin kein Patentrezept, wie du das Weinen in der Schwangerschaft verhindern kannst. Aber: Du kannst versuchen, insgesamt entspannter und gelassener zu werden. Wir haben ein paar Tipps für dich:

  • Sprich über dein Gefühlschaos: Reden hilft – und das gleich auf zwei Arten. Erstens lösen sich Sorgen und negative Gedanken oftmals in Luft auf, wenn man mit jemandem darüber gesprochen hat. Zweitens können dein Partner, deine Familie und deine Freunde besser verstehen, was in dir vorgeht, je mehr du mit ihnen darüber sprichst. Auf diese Weise kannst du auch potenziellen Beziehungskonflikten vorbeugen, die durch deine Stimmungsschwankungen schwelen könnten.
  • Versuche es mit Entspannungsübungen oder Hypnobirthing. Entspannung ist wichtig für Schwangere. Der Körper arbeitet auf Hochtouren und braucht manchmal kleine Verschnaufpausen. Atem- und Entspannungsübungen sind eine gute Möglichkeit, deinem Körper diese Pausen zu gönnen. Sie helfen dir dabei, dich fallen zu lassen und deine innere Anspannung loszuwerden. Auch Hypnobirthing-Kurse vermitteln dir verschiedene Techniken, wie du dich selbst beruhigen kannst.
  • Praktiziere Schwangerschaftsyoga: Schwangerschaftsyoga führt zu mehr Ausgeglichenheit. Es wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus und kann gegen Stress und das Weinen in der Schwangerschaft hilfreich sein.
  • Vermeide stressauslösende Faktoren. Du solltest versuchen, stressauslösende Faktoren zu vermeiden und achtsam mit dir umgehen. Dazu gehört, auch mal „nein“ zu sagen, wenn dir etwa deine Kollegen zu viel zumuten. Falls du merkst, dass der Stress zu groß wird, baue kleine Ruhe-Inseln in deinen Alltag ein.
  • Vermeide Menschen, die dir nicht guttun: Seit du schwanger bist, haut dir jemand regelmäßig Ratschläge um die Ohren? Das ärgert dich? Dann meide den Kontakt zu dieser Person. Du solltest die Schwangerschaft genießen können – und dich nicht mit Menschen herumplagen müssen, die dich runterziehen. Triff dich stattdessen mit Freunden, die dir guttun. Negative Menschen solltest du meiden.
  • Gehe in die Offensive. Du versuchst in der Öffentlichkeit gegen die Tränen anzukämpfen? Das führt nur zu größerem Stress. Du setzt dich selbst unter Druck, wenn du versuchst, die Tränen zu unterdrücken. Lass die Tränen zu. Lege dir einen lockeren Spruch parat, den du „raushauen“ kannst, falls jemand dich wegen deiner Tränen anstarrt. Verweise beispielsweise mit einem Augenzwinkern auf die Hormone.

Wichtig: Falls dich diffuse Ängste plagen, die dich immer wieder zum Weinen bringen, solltest du auf jeden Fall mit jemandem darüber reden. Vertraue deinem Partner, deiner Mutter, deiner besten Freundin oder auch deiner Hebamme deine Sorgen an. Falls es sich um ganz konkrete Ängste handelt (etwa Angst vor der Geburt oder vor negativen Veränderungen an deinem Körper), kannst du gezielt etwas dagegen unternehmen. In unserem Artikel über die häufigsten Ängste in der Schwangerschaft haben wir hilfreiche Tipps für dich.

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Hört das Weinen in der Schwangerschaft irgendwann auf?

Je weiter du in der Schwangerschaft voranschreitest, desto seltener kullern die Tränen. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel verspüren viele Schwangere eine innere Ruhe und Gelassenheit. Anfängliche Beschwerden wie Übelkeit lassen nach und der Bauch ist noch so klein, dass die meisten Frauen körperlich noch nicht stark eingeschränkt sind. Außerdem haben sich Schwangere in dieser Phase der Schwangerschaft meist genügend mit der neuen Rolle als werdende Mutter auseinandergesetzt. Daher wird das zweite Trimester häufig als die schönste und unbeschwerteste Zeit betrachtet.

Es gibt aber auch Frauen, die bis zur Entbindung und auch danach nah am Wasser gebaut sind. Spätestens mit dem Ende der Stillzeit sollten die Weinattacken aber endgültig nachlassen. Dann laufen die Hormone wieder im „Normalbetrieb“.

Sonderfall: Weinen aus Trauer in der Schwangerschaft

Emotionale Tränen können neusten Forschungen zufolge in fünf Kategorien eingeteilt werden:

  1. Tränen aufgrund von Machtlosigkeit, etwa als Reaktion auf eine Todesnachricht,
  2. Tränen aufgrund von Einsamkeit, die auf einem nicht erfüllten Bedürfnis von Nähe beruhen,
  3. Tränen aus Überforderung,
  4. Tränen aus Harmonie bzw. vor Glück,
  5. Tränen aufgrund von Medienkonsum.

Handelt es sich bei dir um Tränen als Reaktion auf eine Todesnachricht oder einen ähnlich furchtbaren Schicksalsschlag, ist es besonders wichtig, dass du dich mit deinen Emotionen auseinandersetzt. Du solltest die Trauer keinesfalls unterdrücken. Denn Trauer erzeugt Stress. Und wie bereits erwähnt, kommt das Stresshormon Cortisol auch bei deinem Kind an. Da es sich bei Trauer nicht „nur“ um einen kurzzeitigen Stress handelt, sondern die Traurigkeit anhält, könnte sie Auswirkungen auf dein Baby haben.

Was hilft bei Trauer in der Schwangerschaft?

Jeder Mensch verarbeitet Schicksalsschläge anders. Aber es ist wichtig, dass du deine Trauer zulässt.

  • Sprich mit einer vertrauten Person oder auch deiner Hebamme und deiner Frauenärztin über deine Trauer. Du solltest mit deinen Gefühlen nicht allein sein. Deine Frauenärztin kann beurteilen, ob möglicherweise professionelle Unterstützung nötig ist.
  • Sprich mit deinem ungeborenen Kind. Erkläre ihm die Situation. Dein Baby nimmt deine Stimme schon im Mutterleib wahr. Durch den Klang deiner Stimme kannst du dazu beitragen, dass dein Kind ruhiger wird. Auch dir hilft es, deine Gefühle laut auszusprechen.
  • Höre auf dein Bauchgefühl. Entscheide ganz allein, ob du im Falle des Todes eines geliebten Menschen zur Beerdigung gehst oder nicht. Viele empfinden die Beerdigung als wichtigen Schritt zur Trauerbewältigung. Falls du dich nicht dazu in der Lage fühlst, ist das auch in Ordnung. Du kannst beispielsweise auch mit einem Brief Abschied nehmen, der mit ins Grab gegeben wird. Lass dich nicht beeinflussen, sondern entscheide selbst, was das Beste für dich ist. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“.
  • Ganz wichtig: Du darfst dich auch freuen. Treffen Trauer über den Verlust eines Angehörigen und Vorfreude auf das Baby zusammen, versetzt das Schwangere in ein großes Gefühlschaos. Natürlich trauerst du um den geliebten Menschen. Aber: Du darfst und solltest auch Vorfreude auf dein Baby empfinden. Habe kein schlechtes Gewissen. Es ist wichtig, dass du alle deine Gefühle zulässt – die negativen und die positiven. Du kannst den Verlust zutiefst betrauern und dich gleichzeitig auf dein Kind freuen.

Tipp: Wir möchten dir an dieser Stelle gern noch ein Video von Kristin Graf von „Die friedliche Geburt“ ans Herz legen. Darin spricht sie mit Sonja, einer Frau, die während ihrer Schwangerschaft schwere Schicksalsschläge verkraften musste. Beide haben wertvolle Tipps für dich

Fazit: Lass deine Emotionen raus!

Gelegentliches Weinen in der Schwangerschaft ist normal. Wenn du das Bedürfnis hast, zu weinen, lass deine Gefühle raus. Weinen ist eine Art Stressabbau und somit etwas Gutes.

Falls du jedoch eine permanente Traurigkeit verspürst, täglich sehr viel weinst und dich mit deiner gesamten Situation überfordert fühlst, solltest du ärztlichen Rat einholen. Dann könnte das Weinen ein Symptom einer aufkommenden Depression sein.

aa279896a3904a809b75a414a8b9af1e - Weinen in der Schwangerschaft: Ursachen, Tipps, Auswirkungen auf das Baby

Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 26.01.2023
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Patricia Schlösser-Christ

Patricia widmet sich als Kulturanthropologin mit Leidenschaft der Kindheits- und Familienforschung. Ihre liebsten (und herausforderndsten) „Studienobjekte“ sind ihre beiden kleinen Töchter. Wenn sie nicht gerade Feldforschung im Kinderzimmer ihrer kleinen Rasselbande betreibt, powert sie sich beim Handball aus.

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