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11 Ideen gegen Einsamkeit nach der Geburt

Mutter hält Baby und guckt betrübt
Ein Drittel aller frischgebackenen Eltern fühlen sich einsam. / Bild ©LIGHTFIELD STUDIOS, Adobe Stock

Die Geburt eines Babys ist etwas ganz Besonderes. Dass diese Zeit für Eltern aber auch sehr einsam sein kann, erwarten die wenigsten. Wir zeigen euch Wege aus der Isolation.

Die ersten Tage vergehen wie im Flug, wenn Eltern sich von der Entbindung erholen und nur Augen für das eigene Kind haben. Lange haben werdende Eltern sich vorgestellt, wie schön es wird und Pläne gemacht. Es soll mit die schönste Zeit im Leben sein. Die wenigsten rechnen aber damit, dass sich diese Phase nach der Geburt für manche Eltern einsam anfühlt.

Einsamkeit tritt häufiger nach Geburt des ersten Kindes auf

Auch wenn Familie und Freunde das Baby liebevoll willkommen heißen, der Alltag kehrt schneller ein als gedacht. Einige Eltern – oft stillende Mütter im Wochenbett – fühlen sich jetzt isoliert und vermissen ihr altes Leben. Das trifft besonders oft zu, wenn es sich um das erste Kind handelt und es an Erfahrung und Kontakten zu Gleichgesinnten mangelt.

Dieses Gefühl der Einsamkeit bei Müttern birgt außerdem das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Aber dagegen kann etwas getan werden. Sonia Johnson, Professorin für Sozialpsychiatrie am University College London sagt in einer Studie zum Thema:

„Wenn Frauen früh in der Schwangerschaft verstehen, wie häufig Einsamkeit vorkommt und dass es in Ordnung ist, solche Gefühle zu empfinden, könnte dies Auswirkungen perinataler (um die Zeit der Geburt herum, Anm. d. Redaktion) psychischer Erkrankungen verringern“.

Sonia Johnson; ‘Just snap out of it’ – the experience of loneliness in women with perinatal depression: a Meta-synthesis of qualitative studies

Die Forscher haben sich zusätzlich gefragt, was gegen die Einsamkeit hilft und was diese verschlimmert. Eine wichtige Erkenntnis war, dass viele Frauen sich wegen ihrer Gefühle verstecken, aus Angst als schlechte Mutter zu gelten. Das führt dann wiederum zu Selbstisolation und Rückzug aus dem eigenen Sozialleben und macht noch einsamer.

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Was kannst du gegen die Einsamkeit nach der Geburt tun?

Es gibt einiges, das du jetzt tun kannst, um dich weniger einsam zu fühlen. Hier sind unsere Ideen dazu:

1. Du bist nicht allein!

Erst mal ist es ganz wichtig, sich klarzumachen, dass man mit dem Gefühl nicht alleine ist. Es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Sprecht darüber!

2. Die Verantwortung für ein Neugeborenes

Vielen Eltern wird plötzlich klar: Ich bin alleine mit der Verantwortung für ein Neugeborenes. Auch wenn die Natur dir alles mitgegeben hast, was du brauchst, es kann überwältigend sein. Hier kann nicht nur die Familie, Freunde oder eine nette Nachbarschaft hilfreich sein, auch medizinische Personal wie Hebammen und Ärzte und Ärztinnen sind wichtige Ansprechpartner. Traut euch darüber zu reden und um Hilfe zu bitten! Es gibt Lösungen.

3. Erwachsene treffen

So schön es auch ist, sich mit dem kleinen Lebewesen zu beschäftigen: Jeder Mensch braucht Beachtung und Reaktionen von Gleichaltrigen. Sprecht und trefft euch regelmäßig mit anderen Erwachsenen. Wenn das persönlich nicht immer möglich ist, auch gern am Telefon. Macht dafür regelmäßige Termine aus. Deutschlandweit gibt es übrigens viele Familienzentren mit kostengünstigen oder sogar kostenfreien Angeboten für euch. Die Momunity App kann dir außerdem helfen deine Mama-Community gegen die Einsamkeit mit Baby aufzubauen.

4. Haltet die Augen auf nach Gleichgesinnten!

Andere Mütter oder Väter haben ähnliche Probleme und Themen. Jemanden mit Baby kennenzulernen ist eigentlich ganz einfach, denn ihr trefft Menschen in der gleichen Lebenslage beim Einkaufen, in der Drogerie, beim Spaziergang mit dem Baby, in Babykursen oder über eure Hebamme. Nehmt Kontakt auf. Die sympathische Mutter anzusprechen und vielleicht auch mal um Rat fragen (Welche Windeln nehmt ihr denn?) kann der Beginn von etwas ganz Wundervollem sein. Und wenn die andere Mutter oder der Vater gestresst wirken, freuen sie sich bestimmt trotzdem über euer Interesse.

5. Wenn der Partner (frühzeitig) wieder zurück in den Job muss

Nicht vergessen, Verständnis füreinander aufzubringen. Vermeintliche Arbeit nie gegeneinander aufwerten und gleichzeitig jedem gewisse Freiheiten gönnen. Sind es die Frauen, die noch stillen und wenig weg raus können, einen Kompromiss finden. Den Anschluss verliert ihr nicht, wenn ihr wenigstens in der Mittagspause telefoniert. Erzählt und fragt euch, wie es euch geht und freut euch auf die gemeinsame Zeit später. Auch, wenn diese voller Wäscheberge und Windeln ist. Erinnert euch an die Vorfreude und das erste Verliebtsein in euren Nachwuchs!

6. Familie und Freunde helfen nicht, wie erwartet

Sprecht das an und grummelt nicht nichtssagend vor euch hin. Entweder dachten diese, du wolltest lieber deine Ruhe oder wussten nicht, was zu tun wäre. Werdet konkret. Erzählt auch von eurer Einsamkeit als Mutter oder Vater. Sollten eure Erwartungen dennoch nicht erfüllt werden, lasst euch von der Traurigkeit darüber nicht die wundervolle erste Zeit mit Baby nach der Geburt verderben.

7. Glücklich essen

Gesundes und gutes Essen kann die Produktion des Glückshormons Serotonin ankurbeln. Dafür muss Tryptophan aufgenommen werden. Das findet sich besonders häufig in Banane, Dattel, Feige, Nüssen, Bio-Eiern und Bio-Fleisch. Fisch, Kräuter und Gewürze können ebenfalls Spurenelemente liefern, die positive Stimmungshormone aufbauen.

8. Bewegung und frische Luft wirken auch Wunder!

Geht raus und steckt die Nase in die Sonne. Ein kleiner oder großer Spaziergang bringt euch nicht nur auf andere Gedanken und kann nette Begegnungen zur Folge haben, Bewegung ist bewiesenermaßen gut, um Stress abzubauen. 

9. Selfcare im Alltag

Ein paar Augenpads, eine wohltuende Gesichtsmaske, das duftende Anti-Stress-Bad oder die neue Bodylotion (Beim Stillen und Körperkontakt mit Neugeborenen nicht allzu stark riechende Produkten verwenden) – findet euren Weg euch und euren Körper liebzuhaben und den Kontakt zu euch selbst nicht zu verlieren. Wenn ihr Zeit für ein Buch oder eure Lieblingsserie habt, ist das auch gesunde Metime. Kleiner Hinweis: Fernseher, Handy und Tablet lieber nicht in Nähe des Babys nutzen. Das Gehirn entwickelt sich noch, kann Licht, Schnelligkeit der Bilder noch nicht verarbeiten, Zusammenhänge nicht verstehen. Das ist Stress und sorgt für Unruhe bei den Kleinen.

10. Ladet liebe Menschen ein

Auch wenn die Wohnung nicht aufgeräumt, der Kühlschrank leer und der Windeleimer voll ist. Das Chaos ist egal! Gute Gesellschaft tut allen gut.

11. Tolle Termine machen

Versucht gegen die Einsamkeit als Eltern feste Termine in der Woche zu vereinbaren, auf die ihr euch freuen könnt. Treffen mit Gleichgesinnten, ein Babykurs, ein Essen mit dem Partner, die erste Wellness- oder Massagebehandlung oder einen Friseurbesuch (wenn das schon geht). Wichtig dabei: Termine so gut es geht euch zuliebe einhalten!

Wenn ihr Einsamkeit nach der Geburt fühlt, denkt positiv, holt euch Hilfe und versucht die Freude über das aufregendste, wundervollste und auch anstrengende Abenteuer namens Elternsein nicht zu verlieren. Sollten depressive Episoden aber über einen längeren Zeitraum andauern und nichts hilft, kann es sich um eine Wochenbettdepression handeln (Test zur Selbsteinschätzung). Hilfreiche Ansprechpartner sind dann eure Gynäkologin, der Hausarzt oder die Hebamme.

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Quellen

Veröffentlicht von Nina Gaglio

Nina ist Mama eines Grundschulkindes und seit 25 Jahren leidenschaftliche Reporterin und Redakteurin. Angefangen hat alles beim Fernsehen, wo Nina neben ihrem Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaften Studium erste Erfahrungen sammeln konnte und dann 12 Jahre blieb. Danach kam viel PR und der Onlinejournalismus dazu. Familien- und Kinderthemen und die Arbeit mit Experten aus diesen Bereichen gehörte auch zum Redaktionsalltag. Und so war es nur logisch, dass Nina nach dem Mutterwerden auch für Parenting-Magazine schrieb.

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