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Ist es möglich, erst bei der Geburt die Schwangerschaft zu bemerken?

Eine Frau, die 9 Monate lang nicht gemerkt hat, dass sie schwanger ist? Kannst du dir nicht vorstellen? Dieser Artikel zeigt, dass das gar nicht so selten ist. Aber mach dir selbst ein Bild.

Nadine sitzt auf der Couch und verzieht schmerzerfüllt das Gesicht. Diese fiesen Bauchkrämpfe. Nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten. Der Arzt hatte gemeint, dass sie vielleicht ihr Essverhalten ändern müsse. Denn bis jetzt hatte niemand herausfinden können, was mit ihr los war. Erst die Übelkeit, dann die Schmerzen. Vielleicht Stress? Als Krankenhausschwester ziemlich wahrscheinlich. Sie ist froh, wenn sie genug Schlaf bekommt. Immerhin will ihr fünfjähriger Sohn zwischen den Schichten auch noch etwas von ihr haben. Wie soll man da noch auf seine Ernährung achten!

Heute Abend ist es jedoch besonders schlimm. Die 31-Jährige kann gar nicht anders, als sich zusammenzukrümmen. Ob das vielleicht etwas anderes ist? Schwanger kann sie nicht sein, schließlich war der Test vor guten 8 Monaten negativ. Und außerdem nimmt sie die Pille und bekommt jeden Monat pünktlich ihre Blutung. Und neben etwas Bauchspeck ist sie eigentlich noch immer schlank. Deshalb tippt sie eher auf Blinddarm oder Eierstockentzündung.

Ihr Mann Thomas kommt mit sorgenvollem Gesicht und dem Telefon in der Hand ins Zimmer. Als Krankenschwester den Notarzt rufen? Wirklich? Als der dann kommt, geht alles ganz schnell. Blaulicht, Rettungsstelle, ein paar Untersuchungen…und ein Arzt der mit breitem Grinsen verkündet, dass ihr Baby in Geburtsposition liegt, der Muttermund schon auf 8 cm sei und sie vielleicht in den letzten verbleibenden Stunden über einen Namen für ihr Kind nachdenken solle. Als sie es endlich schafft Thomas anzurufen, bleibt das andere Ende der Leitung still. Verständlich, denn auch ihr fehlen die Worte.

Aber wie kann das sein? Wie konnte sie ganz neun Monate nicht merken, dass ein Baby in ihr heranwächst?

1 von 500 Schwangeren weiß nichts davon

Unvorstellbar aber wahr, eine von fünfhundert Schwangeren weiß mindestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche nicht, dass sie schwanger ist. Etwa 1.300 Frauen geht es in Deutschland pro Jahr so. Im Schnitt 300 Kinder kommen hier jährlich sogar gänzlich ohne jede Vorbereitung zur Welt, ganz so, wie bei Nadine eben. Die Chance ein Baby zu bekommen, ohne es gewusst zu haben, ist also dreimal so hoch wie die für Drillinge.

Aber wie kann das sein? Ärzte nennen diese Form der Schwangerschaft „Gravitas Suppressalis“. Oft (aber nicht immer) liegt der Grund darin, dass ein Baby in der speziellen Lebenssituation einfach unvorstellbar wäre. Manchmal kommt ein unterdrückter Kinderwunsch dazu. Manchmal die Aussage der Ärzte, dass man gar nicht schwanger werden könne. All das führt dazu, dass das Unterbewusstsein vielleicht eine Ahnung hat, aber jeder Gedanke daran im Keim erstickt wird. Denn im Wegdrücken und Leugnen sind Menschen außerordentlich gut, vor allem wenn der Alltag alle Ressourcen zum ruhigen Innehalten verbraucht.

Und so kommt es, dass Frauen quer durch alle Schichten, Altersstufen und Kulturen manchmal erst bei der Geburt bemerken, was wirklich los ist.

Jedes Schwangerschaftssymptom kann umgedeutet werden

Ausbleibende Regel, Übelkeit, Müdigkeit, immer dicker werdender Bauch, wachsende Brüste … man sollte doch meinen, dass diese typischen Schwangerschaftssymptome eindeutig sind, oder etwa nicht?

Mitnichten. Erfahrene Ärzte wissen, dass es Frauen gibt, die nur wenige dieser Symptome entwickeln. Wenn eine Frau die Pille, ohne von der Schwangerschaft zu wissen, weiter einnimmt, kann es passieren, dass die Abbruchblutungen weiter jeden Monat kommen. Manchen Schwangeren ist kaum oder gar nicht übel. Der Bauch fällt entweder wegen ihrer Körperfülle nicht weiter auf oder wächst bei schlanken Frauen einfach nach innen. Für alle anderen Symptome gibt es auch andere Erklärungen:

  • Kopfschmerzen und Müdigkeit? Zu wenig Schlaf und zu viel Stress!
  • Rückenschmerzen? Viel Stehen, Laufen und schweres Heben im Beruf!
  • Ziehen und Bewegungen im Bauch? Nahrungsunverträglichkeiten und Darmprobleme!
  • Wehen? Starke Bauchkrämpfe!

Auch Nadine hatte für jedes ihrer Symptome eine passende Erklärung gefunden. Denn wie gesagt, der Test am Anfang hatte ja eindeutig angezeigt, dass sie nicht schwanger war. Auch ihr Hausarzt und der Gastroenterologe hatten komplett daneben gelegen. Und das ist kein Einzelfall. Manche Frauen berichten auch, dass selbst ihr Gynäkologe keine Schwangerschaft feststellen konnte. Wie das trotz der guten Geräte heutzutage passieren kann, bleibt wohl ein Berufsgeheimnis.

Ein Schwangerschaftstest kann falsch-negativ ausfallen

Ob ein Schwangerschaftstest positiv ausfällt oder nicht, hängt davon ab, ob im Urin genug vom Hormon hCG vorhanden ist. Es kann vorkommen, dass die Schwangere davon zu wenig bildet. Dann zeigt der Test nichts an. Die Schwangerschaft ist dann vielleicht zu Anfang wacklig, kann aber trotzdem ganz normal verlaufen. Nadine hatte dem Ergebnis zu sehr vertraut.

Unbemerkte Babys bleiben meist kleiner

und haben wenig Platz im Bauch, den viele betroffene Frauen unbewusst anspannen. Deshalb drehen sich die Babys spät bis gar nicht. Und auch wenn die meisten unbemerkten Schwangerschaften trotzdem problemlos verlaufen, ist wohl das größte Risiko für das ungeborene Kind der Lebensstil der Mutter. Denn diese weiß ja nichts davon, dass sie nun eigentlich besser aufpassen sollte.

So kommt es, dass Alkohol und Zigaretten oft weiter munter konsumiert werden. Auf gesündere Ernährung achten wohl ebenfalls die wenigsten von ihnen, denn schließlich stehen viele von ihnen unter Stress. Alles das führt dazu, dass sich das Wachstum des Babys verlangsamt. Schädigungen, die erst später sichtbar werden, sind ebenfalls nicht ganz auszuschließen.

Hilfe statt Häme

Was Frauen wie Nadine in dieser Situation brauchen, sind vor allem Unvoreingenommenheit und Beratung. Oft wird auch psychologische Betreuung nötig. Denn schließlich hatten die Betroffenen anders als andere Schwangere keine 9 Monate Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Nicht alle können sich gleich mit dem Gedanken anfreunden und sind in der Lage, ihr Baby anzunehmen.

Je nach Situation kann es sogar gefährlich werden. Denn unter den Fällen von Kindstötungen sind einige darunter, bei denen Frauen ihre Schwangerschaft so lange verdrängt hatten, bis das Baby als Beweis vor ihnen lag. Deshalb werden frischgebackene Überraschungsmütter meist länger als normal im Krankenhaus behalten, um einschätzen zu können, wie sich die Mutter mit der Situation arrangiert.

Aber auch wenn Mutter, Vater und bestenfalls die ganze Familie sich über das Überraschungsei freuen, brauchen sie dennoch Hilfe bei Formularen, Baby-Erstausstattung und co. Wie geht das nun noch schnell mit dem Mutterschutz und dem Mutterschaftsgeld? Wo beantrage ich Elterngeld? Kindergeld? Andere Unterstützung? Wie sage ich es meinem Arbeitgeber? Bei all diesen Fragen hilft ein Sozialarbeiter, der noch ins Krankenhaus oder aber zu den frisch gebackenen Eltern nach Hause kommt.

Und auch ganz praktische Dinge, wie beispielsweise die Säuglingspflege, wollen erst gelernt sein, wenn man vorher noch kein Kind geboren hatte. Nadine musste sich darum zum Glück nicht kümmern. Die Abläufe hatte sie dank ihres Fünfjährigen immer noch gut drauf. Aber auch in einer so kurzen Zeit eine Hebamme für die Nachsorge zu finden, grenzt ja mancherorts an ein Wunder.

Ein Happy End

Bei Nadine ging übrigens alles gut. Ihr Mann hatte die Woche, die sie auf der Neugeborenenstation verbrachte, gut genutzt, um ihr Zuhause auf das Baby vorzubereiten. Ihr Sohn freute sich wahnsinnig auf das neue Geschwisterchen…ein Mädchen, für das sie sich erst nach ein paar Wochen auf den Namen Leonie einigen konnten.

Mittlerweile ist die Kleine ein paar Jahre alt und ganz normal entwickelt. Die Geschichte ihrer Geburt wird sie sicher später mehr als einmal erzählen dürfen.

Jetzt sind wir gespannt auf deine Erfahrungen

Gibt es eine Frau in deinem Bekanntenkreis, der es auch so ergangen ist?

Willst du noch etwas zum Thema „Schwangerschaft erst bei der Geburt bemerkt“ sagen? Dann nur zu, hinterlass gern einen Kommentar!

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