Vielleicht hattest du oder eine Bekannte bereits die Diagnose Windei. Worum es sich dabei genau handelt, welche Ursachen es dafür gibt und wie es mit der Schwangerschaft weitergeht, fassen wir dir hier zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Fehlerhafte Fruchtanlage, bei der sich nach der Einnistung kein Embryo entwickelt.
- Ursache sind häufig Chromosomenfehler, seltener andere Faktoren.
- Anfangs typische Schwangerschaftszeichen, später Blutungen. Im Ultraschall zeigt sich eine leere Fruchthöhle.
- Endet meist in einem frühen Spontanabort (Fehlgeburt), selten ist eine Ausschabung nötig.
- Keine Aussagekraft über deine Fruchtbarkeit oder die deines Partners!
- Ein erneuter Schwangerschaftsversuch ist sofort möglich; es muss keine Wartezeit eingehalten werden.
Was ist ein „Windei“?
Beim Windei (auch: Abortivei oder Windmole) handelt es sich um eine fehlerhafte Fruchtanlage zu Beginn einer Schwangerschaft. Die Eizelle wurde zwar befruchtet und hat sich auch in die Gebärmutter eingenistet. Allerdings entwickelt sie sich dort nicht weiter.
Das heißt, genauer gesagt entwickelt sich nur der Teil nicht weiter, der den Embryo bilden müsste (Embryoblast). Die Plazentaanlage (Trophoblast) dagegen entwickelt sich. Deshalb wird zunächst auch die Hormonproduktion im Körper der Frau hochgefahren und auf Schwangerschaft umgestellt. Innerhalb der ersten acht Wochen endet die Schwangerschaft jedoch meistens in einem spontanen Abort. Aus einem Windei kann sich kein Baby entwickeln.
Man geht davon aus, dass bei etwa 50 bis 90 Prozent der Fehlgeburten zwischen der 5. und 8. Schwangerschaftswoche ein Windei vorliegt.
Windei oder Blasenmole?
Häufig wird das Windei mit einer Blasenmole gleichgesetzt. Es gibt aber wichtige Unterschiede. Bei der Blasenmole entstehen mitunter gefährliche Wucherungen. Das ist beim Windei nicht der Fall.
Welche Ursachen hat ein Windei?
Meistens sind es Chromosomenabweichungen, die eine Entwicklung des Embryos unmöglich machen. Diese können vom Erbgut der Mutter oder des Vaters stammen oder bei der Zellteilung nach der Befruchtung entstanden sein. Aber auch ein Sauerstoffmangel, Vergiftungen oder Strahlenschäden können für den Entwicklungsstopp verantwortlich sein. Im Einzelfall wird man leider nie genau herausfinden, warum es dazu kam.
Erst bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten (habituelle Aborte) wird dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin wahrscheinlich genauer nachforschen, um den Problemen auf den Grund zu gehen.
Welche Symptome sprechen für ein Windei?
Da sich die Plazenta zunächst wie erwartet entwickelt, schüttet der Körper auch das Schwangerschaftshormon beta-hCG aus. Infolgedessen können in den ersten Tagen und Wochen nach der Einnistung die üblichen Anzeichen einer frühen Schwangerschaft auftreten, wie Übelkeit, Brustspannen oder Müdigkeit. Auch ein Schwangerschaftstest würde positiv ausfallen.
Manchmal deuten vaginale Blutungen kurze Zeit später schon an, dass etwas nicht stimmt. Oft ist es jedoch so, dass das Windei ab der 6. SSW unerwartet beim vaginalen Ultraschall in der gynäkologischen Praxis entdeckt wird. Der Frauenarzt oder die Frauenärztin bemerkt dabei, dass die Fruchthöhle auffallend klein und leer ist. Weder ist ein Herzschlag noch ein Dottersack oder ein Embryo sind darstellbar. Auf dem Ultraschallbild zeigt sich zudem häufig ein unklarer Rand der Fruchthöhle.
Um sicherzugehen, dass es sich wirklich um ein Windei handelt und nicht etwa um eine Schwangerschaft im sehr frühen Stadium oder einen sogenannten „Eckenhocker“, wartet man in der Regel sieben bis zehn Tage ab und schaut dann erneut per Ultraschall nach. Ist die Fruchthöhle noch immer leer, steht die Diagnose Abortivei fest.
Wie geht es dann weiter?
Normalerweise bemerkt der Körper der Frau recht schnell selbst, dass sich aus der Schwangerschaft kein Baby entwickeln wird. Die meisten Windei-Schwangerschaften enden deshalb in einem frühen Spontanabort, also einer Fehlgeburt. Der Abgang geht üblicherweise mit Blutungen mit Gewebe sowie Unterleibsschmerzen einher. Danach gehen auch die Schwangerschaftsanzeichen zurück und der hCG-Wert normalisiert sich.
In seltenen Fällen bricht der Körper die Frühschwangerschaft aber nicht selbstständig ab oder es verbleiben Reste in der Gebärmutter (verhaltener Abort). Dann muss die Windei-Schwangerschaft per Ausschabung (Kürettage) beendet werden.
Schwanger nach Windei: Wie lange sollten wir warten?
Die gute Nachricht: Ein Windei hat in der Regel keine Aussagekraft über deine Fruchtbarkeit oder die des Partners.
Es gibt auch keine besondere Wartezeit, die danach eingehalten werden sollte. Ist das Windei vollständig abgegangen, könnt ihr sofort erneut versuchen, schwanger zu werden. Vorausgesetzt, ihr fühlt euch seelisch und körperlich dazu bereit. Wenn nicht, gönnt euch einige Zyklen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten.
FAQ: Häufige Fragen zum Thema Windei
Ist ein Windei meine Schuld?
Nein, auf keinen Fall. Das ist die wichtigste Botschaft für dich.
Ein Windei wird in den allermeisten Fällen durch eine zufällige, nicht beeinflussbare Chromosomenstörung verursacht, die bei der allerersten Zellteilung nach der Befruchtung auftritt.
Es gibt nichts, was du getan oder unterlassen hast, das dazu geführt hat. Weder Stress, noch Sport oder deine Ernährung haben einen Einfluss darauf. Es ist eine traurige Laune der Natur, die dir zeigt, wie komplex das Wunder des Lebens ist, aber es ist niemals deine Schuld.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Windei?
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Windei wiederholt, ist sehr gering. Für die überwältigende Mehrheit der Frauen ist es ein einmaliges Ereignis.
Ein einziges Windei hat in der Regel keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder den Verlauf zukünftiger Schwangerschaften. Die Chancen stehen sehr gut, dass deine nächste Schwangerschaft völlig normal und gesund verläuft.
Erst wenn es zu drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten kommt, spricht man von „habituellen Aborten“ und wird ärztlicherseits nach tieferliegenden Ursachen forschen.
Muss nach einem Windei immer eine Ausschabung (Kürettage) erfolgen?
Nicht zwangsläufig. Es gibt grundsätzlich zwei Wege, die du immer gemeinsam mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen solltest. Oft bemerkt der Körper selbst, dass die Schwangerschaft nicht intakt ist und leitet einen natürlichen Abgang ein (Spontanabort), der einer stärkeren Periodenblutung ähnelt.
Wenn der Körper das Gewebe jedoch nicht von allein abstößt (verhaltener Abort) oder es medizinische Gründe gibt, kann eine Ausschabung (Kürettage) notwendig sein, um die Gebärmutter vollständig zu leeren und Infektionen vorzubeugen.
Quellen
- H. Schneider, P.-W. Husslein, K.T.M. Schneider (Hrsg.): Die Geburtshilfe. Springer Verlag, 3. Auflage, 2006.
- T. Weyerstahl, M. Stauber: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag, 4. vollständig überarbeitete Auflage, 2013.
- C. Mändle, S. Opitz-Kreuter: Das Hebammenbuch. Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe. Schatteuer Verlag, 5. Auflage, 2007.
- Instituto Bernabeu: Abortivei-Schwangerschaft. https://www.institutobernabeu.com/de/blog/abortivei-schwangerschaft/ (abgerufen am 01.02.2023)
- American Pregnancy Association: Blighted Ovum. https://americanpregnancy.org/healthy-pregnancy/pregnancy-complications/blighted-ovum/ (abgerufen am 01.02.2023)













