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Kindslage erkennen über Leopold Handgriffe

Kindslage: So liegt dein Baby im Bauch

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Wie dein Kind in der Gebärmutter liegt, hat vor allem in den letzten Wochen vor dem Geburtstermin eine große Bedeutung. Welche die perfekte Startposition für die Geburt ist, welche Fehllagen es gibt und wie du selbst die Kindslage erkennen kannst, liest du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Man unterscheidet in Schädellage, Beckenendlage, Querlage und Schräglage.
  • Manche Kindslagen machen einen Kaiserschnitt notwendig.
  • Deine Hebamme kann die Kindslage über die Bauchdecke ertasten.
  • Mit etwas Geschick und großer Vorsicht kannst du die Lage deines Babys auch selbst ertasten.
  • Die meisten Kinder drehen sich bis zur 34. SSW in die Schädellage – die perfekte Startposition für die Geburt!
  • Es gibt Übungen und Maßnahmen, um dem Baby dabei zu helfen.
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Die Kindslage bestimmt die Geburt

Während der ersten Hälfte der Schwangerschaft hat dein Baby viel Platz in der Gebärmutter. Es dreht sich, schlägt Purzelbäume, liegt mal so, mal so herum. Doch gegen Ende des 2. Trimesters wird es langsam eng. Bald werden keine größeren Positionswechsel mehr möglich sein. Die überwiegende Mehrheit der Babys dreht sich deshalb schon bis zur 34. SSW mit dem Kopf nach unten ins Becken der Mutter. So verbleiben sie meist bis zum Ende der Schwangerschaft. Das hat einen einfachen Grund: Diese Schädellage oder auch Kopflage ist die bestmögliche Ausgangsposition für eine einfache Geburt. Etwa 94 Prozent der Babys kommen so zur Welt.

Die restlichen Kinder machen es ihren Mamas nicht so leicht. Aus verschiedenen Gründen schaffen sie es nicht, ihren Körper so optimal zu positionieren. Manchen Fehllagen (Lageanomalien) erschweren eine vaginale Geburt nur, andere machen sie unmöglich. Für deine Hebamme und/oder deine Frauenärztin ist es deshalb hauptsächlich gegen Ende der Schwangerschaft wichtig zu wissen, welche Lage dein Baby im Bauch eingenommen hat. 

Die Kürzel im Mutterpass

Etwa ab der Hälfte der Schwangerschaft notieren deine Hebamme und/oder Frauenärztin die Kindslage in deinem Mutterpass. Sie kürzen sie dabei wie folgt ab:

  • SL – Schädellage
  • BEL – Beckenendlage
  • SchL – Schräglage
  • QL – Querlage.
die verschiedenen kindslagen - Kindslage: So liegt dein Baby im Bauch

Die 4 Positionen und ihre Bedeutung für die Geburt

1) Schädellage (auch: Kopflage)

Die Schädellage ist eine sogenannte Längslage. Die Körperachse deines Babys liegt parallel zu deiner. Sein Kopf befindet sich in deinem Becken, sein Po unter deinem Rippenbogen. Normalerweise liegt es mit der Wölbung seines Rückens an deiner Bauchwand. Sein Gesicht blickt in Richtung deiner Wirbelsäule. Das ist die häufigste und unkomplizierteste Geburtslage. Dein Baby hat es so am leichtesten, den Geburtskanal zu passieren. Es wird aller Voraussicht nach in der vorderen Hinterhauptslage (vHHL) zur Welt kommen. Dabei schiebt es sich mit dem Hinterkopf voran nach draußen. Beim Austritt blickt es nach unten in Richtung deines Damms. 

Die Entwicklung zur hinteren Hinterhauptslage (hHHL) ist sehr selten. Nur etwa 1 Prozent der Kinder in Kopflage kommen in dieser Position zur Welt. Statt mit Blickrichtung zu deiner Wirbelsäule schiebt es sich mit Blickrichtung nach oben aus dem Geburtskanal. Im Volksmund nennt man diese Babys „Sternengucker“. 

2) Beckenendlage (auch: Steißlage)

Die Beckenend- oder Steißlage ist auch eine Längslage. Jedoch hat sich dein Baby dabei (noch) nicht mit dem Kopf ins Becken gedreht. Stattdessen sitzt es mit dem Po im Becken. Sein Köpfchen befindet sich unter deinen Rippen. Man unterscheidet nochmals in diverse Unterformen, je nachdem, wie dein Baby seine Beine platziert hat. Schätzungen zufolge werden 3 bis 6 Prozent der Babys in dieser Lage geboren.

Trotz Steißlage ist eine natürliche Geburt oft möglich. Die Voraussetzung dafür ist eine spezialisierte Geburtsklinik. Manche Risikofaktoren sprechen aber eher für einen geplanten Kaiserschnitt.

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3) Schräglage

Bei der Schräglage schneiden sich eure Körperachsen im spitzen Winkel. Spätestens zu Geburtsbeginn entwickelt sich aus der Schräglage normalerweise eine Längs- oder Querlage. Deshalb wird sie auch als „instabile Kindslage“ bezeichnet.

4) Querlage

In diesem Fall liegt dein Baby mehr oder weniger waagerecht in deinem Bauch. Eure Körperachsen schneiden sich etwa in einem 90 Grad Winkel. Diese Kindslage macht eine spontane Geburt unmöglich. Sie kann für euch beide sogar gefährlich werden, wenn ein vorzeitiger Blasensprung eintritt. Doch erst einmal tief durchatmen: Eine Querlage zum Geburtstermin ist extrem selten. Maximal 0,6 Prozent der Babys liegen zum ET quer in der Gebärmutter. Die Chance, dass sich dein Baby noch rechtzeitig in die Längslage dreht, ist sehr hoch.

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Kindslage erkennen und selbst ertasten

Deine Hebamme und/oder Frauenärztin können mithilfe der sogenannten Leopold Handgriffe erkennen, wie dein Baby im Bauch liegt. Dabei tasten sie nicht nur, wo sich das Köpfchen befindet, sondern auch, auf welcher Seite der Rücken liegt. Außerdem können sie so feststellen, wie tief das Baby schon im Becken sitzt. Im Zweifel kann eine Ultraschalluntersuchung absolute Klarheit über die Kindslage geben.

Kindslage selbst ertasten – geht das?

Im Grunde kannst du die Position deines Kindes auch selbst ertasten. Am besten lässt du dir dazu die richtigen Handgriffe von deiner Hebamme zeigen.

Um zu erkennen, in welcher Position das Baby liegt, greifst du mit zangenförmig gebogenen Fingern an die Oberseite von deinem Bauch. Nun suchst du die Beule dort, die entweder Po oder Kopf deines Babys ist. Die andere Hand legst du flach an deinen Unterbauch und suchst die zweite Beule. Jetzt schüttelst du vorsichtig (!) an der oberen Beule. Bewegt sich die untere Beule mit, schüttelst du gerade am Po – dein Baby liegt in Kopflage. Bewegt sich die untere Beule nicht, greift deine Hand oben gerade den Kopf – dein Baby liegt in Steißlage. Das liegt daran, dass die Halswirbelsäule kleinere Erschütterungen ausgleicht, sodass dabei nicht der ganze Körper in Bewegung gerät.

Jedoch solltest du es mit der Selbstuntersuchung nicht übertreiben. Du könntest dein Baby unnötig stressen, indem du es weckst oder es unangenehmem Druck und Schüttelei aussetzt. Bitte sieh auch davon ab, ohne professionelle Anleitung auf deinem Bauch herumzudrücken. Im schlimmsten Fall kannst du Wehen oder gar eine Plazentaablösung provozieren.

Besser: Die Kindslage an Bewegungen ausmachen

Vielleicht kannst die Kindslage auch anhand der Bewegungen und Tritte deines Kindes erspüren. Tritte nach oben unter die Rippen sprechen für die Schädellage. Tritte nach unten in die Blase oder den Darm sprechen für eine Beckenendlage. Eine Querlage fühlt sich oft unangenehm an und Kopf und Po sind als Beulen an deinen Körperseiten erkennbar.

Bis wann können sich Babys noch drehen?

Im Allgemeinen sind spontane Drehungen des Babys etwa bis zur 34. SSW zu erwarten. Danach wird es immer schwieriger. Spätestens ab der 37. SSW ist die Chance auf eine Wendung des Babys aus eigener Kraft nur noch sehr gering.

Möglichkeiten, die Kindslage zu beeinflussen

Warum es überhaupt zur Fehllage (Lageanomalie) deines Kindes kommt, kann diverse Gründe haben. Manchmal sind anatomische Besonderheiten des mütterlichen Beckens die Ursache. Manchmal sind es Probleme mit der Plazenta oder der Nabelschnur. Solche Faktoren lassen sich nicht von außen beeinflussen.

Was du aber tun kannst: Deinem Baby so viel Platz wie möglich zu geben, um sich rechtzeitig in Schädellage drehen zu können. Das schaffst du über viel Bewegung. Vor allem, wenn du tagsüber viel sitzt, solltest du auf einen aktiven Ausgleich achten. Die sitzende Haltung verringert nämlich das Platzangebot im Becken. Bei sanftem Yoga oder beim Schwimmen beispielsweise kommst du in eine vornübergebeugte Haltung, die das Becken öffnet.

Selbstwendungsversuche ab der 34. SSW

Ansonsten gibt es noch verschiedene Anwendungen und Übungen, die das Wenden des Babys in eine günstige Geburtsposition unterstützen sollen. Meist wartet man damit bis zur 34. SSW, da sich Kinder bis dann häufig selbst nochmal neu positionieren. Hebammen empfehlen dann zum Beispiel:

  • Die Indische Brücke: Das ist eine Yoga-Übung, bei der das Becken hochgelagert wird. 2 x täglich für 10 bis 15 Minuten ab der 34. SSW sollen die Kindslage positiv beeinflussen können.
  • Moxibutation: Eine Anwendung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dabei werden Akupunkturpunkte an den kleinen Zehen mit einer Beifußzigarre stimuliert. Das soll das Baby zur Bewegung anregen.
  • Taschenlampe: Über die Bauchdecke wird das Kind mit gezielt gesetzten Lichtpunkten einer Taschenlampe „gelenkt“.
  • Spieluhr und Klangschale: Auch hier soll das Kind über Reize, in diesem Fall über Töne, neugierig gemacht und in eine günstige Lage gelenkt werden.

Außerdem gibt es noch viele weitere alternative Ansätze, wie Visualisierungstechniken, Mediation oder Haptonomie, die positiv auf die Kindslage wirken sollen. Inwieweit diese Methoden aber wirken, ist umstritten. Wenn du Interesse daran hast, sprich deine Hebamme darauf an.

Äußere Wendung ab der 37. SSW

Liegt das Kind zu Beginn der 37. SSW noch in einer ungünstigen Position, können es erfahrene Geburtshelfer eventuell von außen wenden. Die äußere Wendung wird ausschließlich im Krankenhaus und unter Kaiserschnitt-Bereitschaft gemacht. Das heißt, sollte es zu Komplikationen kommen, könnte das Baby jederzeit geholt werden. 

Vor dem Wendungsversuch werden du und dein Baby gründlich durchgecheckt. Der Experte wird dann versuchen, das Baby gezielt in die Schädellage zu wenden. Etwa 50 bis 70 Prozent der Wendungsversuche auf diese Weise bringen das gewünschte Ergebnis.

Hast du noch Fragen zur Kindslage? Oder möchtest du deine Erfahrungen mit unseren Leserinnen teilen? Dann schreib uns einfach in den Kommentaren unter diesem Beitrag!

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Quellen

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