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Schmerzhafte Symphysenlockerung in der Schwangerschaft: Was hilft?

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft

Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft sind nicht unüblich. Einige Frauen treffen sie jedoch besonders hart und sie können kaum noch ihren Alltag bewältigen. Woran man Schmerzen aufgrund einer Symphysenlockerung erkennen und was dagegen helfen kann, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Symphyse (Schambeinfuge) wird in der Schwangerschaft weicher und dehnbarer.
  • Manchmal lockert sie sich über das normale Maß hinaus und bereitet Schmerzen.
  • Typisch für Symphysenschmerzen: Sie treten vor allem beim Gehen oder Treppensteigen auf, sowie beim Liegen in Seitenlage.
  • Gegen die Schmerzen helfen Schonung im Alltag und sanfte Gymnastik.
  • In schweren Fällen kann der Arzt einen Beckengurt, Physiotherapie oder Schmerzmittel verschreiben.
  • Nach der Geburt bildet sich die Symphysenlockerung zurück. Das kann allerdings bis zu 6 Monate dauern.

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft

Was ist eine Symphysenlockerung? Eigentlich ein ziemlich genialer Trick der Natur, um dem weiblichen Körper die Geburt eines Babys zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Während der Schwangerschaft sorgen die Hormone Östrogen und Relaxin dafür, dass Knorpel, Bänder und Sehnen im Becken weicher und dehnbarer werden. Das betrifft auch die Symphyse, genauer gesagt die Schambeinfuge, die beide Beckenknochen miteinander verbindet.

Im Verlauf der Schwangerschaft und mit steigendem Druck durch das wachsende Baby weitet sich der Spalt zwischen den Beckenhälften um 3 bis 4 Millimeter. Der Grund dafür ist klar: um den Beckenring und damit den Geburtskanal zu vergrößern.

Symphysenlockerung & Symphysenschmerzen

Eine Symphysenlockerung in der Schwangerschaft ist also nicht gefährlich, sondern bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Nach der Geburt bildet sich der Spalt zwischen den Beckenhälften auf seine Ausgangsstellung zurück. Oft bemerken Frauen von diesen Prozessen nichts. Bei etwa der Hälfte aller Schwangeren aber verursacht die Symphysenlockerung ab dem 2. oder 3. Trimester leichte bis starke Schmerzen.

Woher kommen die Schmerzen bei einer Symphysenlockerung?

Schmerzen bereitet die Symphysenlockerung dann, wenn sie die Stabilität des Beckens beeinträchtigt. Das kann zu Reizungen der Symphyse und anderer Gelenke führen. Die Schmerzen können mitunter so stark sein, dass sie der werdenden Mutter den Alltag erheblich erschweren. Man schätzt, dass das auf etwa 5 Prozent der Schwangeren zutrifft.

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Sind es Symphysenschmerzen? Symptome erkennen

Symphysenschmerzen treten oft direkt an der Schambeinfuge auf und können bis in die Leiste, die Hüfte, die Oberschenkel und/oder das Kreuz-Darmbein (Iliosakralgelenk) ausstrahlen. Manchmal empfinden Betroffene auch nur Schmerzen im tiefen unteren Rücken.

Typisch für eine Symphysenlockerung ist, dass die Schmerzen bei Bewegung stärker werden. Insbesondere beim Gehen, Treppensteigen, Anheben eines Beins (etwa beim Ankleiden) oder Hocken in Schrittstellung (etwa beim Schuhebinden) tut es weh. Das kann sogar so weit führen, dass die Betroffenen sich nur noch „watschelnd“ fortbewegen können. Außerdem ist häufig das Liegen in Seitenlage schmerzhaft bis unmöglich.

Kommt dir alles bekannt vor? Dann mach doch mal diesen Test: Geh ein paar Schritte rückwärts. Klappt das besser als vorwärts, spricht das für eine Lockerung der Symphyse. Denn beim Rückwärtsgehen wird die Schambeinfuge entlastet und bereitet weniger Schmerzen.

Hebammen und Ärzte können die Symphysenlockerung in der Schwangerschaft ertasten. Im Zweifel kann ein Ultraschall für Klarheit sorgen. Auf Röntgen und ein MRT wird bei Schwangeren verzichtet.

Ursachen für eine schmerzhafte Symphysenlockerung

Warum überschreitet die Symphysenlockerung bei manchen Schwangeren das normale Maß und wird schmerzhaft? Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Es wird unter anderem diskutiert, ob bestimmte Stoffwechselstörungen (etwa von Kalzium und Vitamin D) dafür verantwortlich sein könnten, ebenso wie Verletzungen, krankheitsbedingte Gelenkbeschwerden oder eine genetische Veranlagung. 

Therapie und Tipps bei Symphysenschmerzen

In erster Linie solltest du dich schonen und gezielt Bewegungen vermeiden, die dir Schmerzen bereiten. Beim Schlafen kann ein Stillkissen zwischen den Knien Erleichterung verschaffen. Achte beim Umdrehen im Bett darauf, dass du die Knie möglichst gebeugt und geschlossen hältst.

Wenn nötig, kann dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin dir ein Beschäftigungsverbot aussprechen. Jede Therapie darüber hinaus ist abhängig davon, wie sehr dich die Schmerzen belasten. Manchen Frauen hilft ein schwangerschaftstauglicher Stütz- oder Beckengurt, der die Symphyse entlastet. Lass dich dazu am besten von deiner Hebamme oder im Sanitätsfachhandel beraten. Vielleicht kommen auch Akupunktur oder eine Physiotherapie für dich infrage. Manche Hebammen bieten bei Symphysenschmerzen Taping an.

Bei akuten, starken Beschwerden kannst du notfalls zu Schmerzmitteln greifen. Hole dir hierfür aber vorher das ärztliche O.K. oder den Rat deiner Hebamme ein.

Übungen bei Symphysenlockerung 

Sport mit ruckartigen Bewegungen ist tabu. Aber sanfte Gymnastik kann zur Stabilisierung des Beckenbereichs beitragen. Dafür eignen sich Übungen, die die Becken,- Po- und Rumpfmuskulatur stärken.

Achte aber darauf, keine einseitigen oder seitlichen Beinbewegungen auszuführen. Du wirst sicher genau spüren, was dir guttut und was nicht. Möglicherweise findest du Schwimmen ganz angenehm oder spürst Entlastung bei der Indischen Brücke. Bestimmt kann dir deine Hebamme auch ein paar Übungen zeigen.

Was bedeutet die Symphysenlockerung für die Geburt?

Nun ja, so richtig gute Nachrichten haben wir an der Stelle leider nicht. Unter der Geburt wird sich die Symphyse abermals ein Stück weiten. Die Schmerzen könnten jetzt noch einmal stärker werden. Informiere auf jeden Fall deine Geburtshelfer über deine Vorgeschichte. Ein kleiner Lichtblick: Wenn du möchtest, bekommst du Schmerzmittel. Eine PDA kann die Beschwerden deutlich erträglicher machen. 

Zudem solltest du dich darauf einstellen, im Vierfüßlerstand oder in Seitenlage zu entbinden. Diese Geburtspositionen nehmen im Vergleich zur Rückenlage mehr Druck von der Symphyse. 

Du hast es sicher schon herausgelesen, aber wir möchten es noch einmal sagen: Ein Kaiserschnitt ist bei einer Symphysenlockerung nicht nötig. Im Hinblick auf die Rückbildung ist er vermutlich sogar etwas problematischer als eine natürliche Geburt, da er wichtige Gewebestrukturen verletzt.

In seltenen Fällen entsteht erst während der Geburt eine schmerzhafte Symphysenlockerung. Vor allem, wenn das Kind sehr groß und das Becken der Frau sehr klein ist. Oder wenn die Geburt per Saugglocke oder Zange beschleunigt werden muss. In noch selteneren Fällen (0,02 bis 0,3 Prozent) kommt es zum Riss (Symphysenruptur oder Symphysensprengung). Dieser müsste später operiert werden, um beide Hälften des Schambeins wieder miteinander zu verbinden.

Wie es nach der Geburt weitergeht

Nach der Geburt werden die Symphysenschmerzen leider nicht wie weggeblasen sein. Wie alles andere benötigt auch die Schambeinfuge eine gewisse Zeit, um sich zurückzubilden. Das kann zwischen 6 Wochen und 6 Monaten dauern. Eine geeignete Physiotherapie könnte die Rückbildung des Beckens beschleunigen. Bei starken Schmerzen hilft eventuell ein orthopädischer Beckengurt vorübergehend, die Symphyse zu entlasten. 

Unabhängig davon empfehlen wir dir, das Wochenbett und die Rückbildungsgymnastik ernst zunehmen. Auch nach dem Rückbildungskurs solltest du regelmäßig deinen Beckenboden trainieren, um die Muskulatur zu stabilisieren. 

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Hast du noch Fragen zur Symphysenlockerung in der Schwangerschaft oder einen tollen Tipp für Betroffene? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 25.11.2022
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist Mama einer Tochter im Kindergartenalter und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.

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